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Widerstände überwinden

Angela Merkel wird auf ihrer Chinareise nächste Woche merken, wie sehr wir uns anstrengen müssen, technologisch weiterhin vorne mitzuspielen.

Hoffentlich wird es eine Art Erweckungserlebnis, wenn Angela Merkel heute in zwei Wochen im südchinesischen Shenzhen Startups im Bereich der Künstlichen Intelligenz besuchen wird.

Hoffentlich vergisst sie nie mehr, was sie dort sehen wird: Eine Gründerszene voller Kraft und Zuversicht, die sich aus dem Nichts an die Weltspitze emporgearbeitet hat. Und hoffentlich wird sie dann nach Hause fahren, und alles in Bewegung setzen, damit Europa in diesem Bereich nicht den Anschluss verliert.

Immer mehr Chinesen aus dem Silicon Valley kommen zurück nach China. Und sie bringen ihre internationalen Teams gleich mit. Denn die Bedingungen sind dort inzwischen ausgesprochen gut: Das Geld sitzt lockerer. Der Staat tut alles, damit die Forscher sich entfalten können. Die Produktionsstätten sind gleich um die Ecke. Die Entwickler können mit ihrer Software oder ihrem Produkt über die Straße zum Produktionsleiter gehen und ihn fragen, was er davon hält. Und: China hat einen hungrigen Markt, der Neues viel schneller aufsaugt als etwa der amerikanische.

Keine Frage: Merkel wird in Deutschland Widerstände überwinden müssen. Die große Mehrheit lehnt zum Beispiel selbstfahrende Autos auch dann noch ab, wenn Experten sie als sicher einstufen würden. In China ist das anders. Über achtzig Prozent der Befragten sind begeistert.

Wie schnell die Veränderungen sich Bahn brechen, zeigt das Drohnen-Startup DJI aus Shenzhen. Es wurde binnen weniger Jahre zum Weltmarktführer. Der amerikanische Wettbewerber, der Action-Kamera-Hersteller GoPro, wurde währenddessen zum Symbol dafür, dass die USA nicht mehr allein den Ton angeben. Nach dem Verkaufsstart fielen einige Exemplare der von GoPro viel zu spät vorgestellten Drohne „Karma“ einfach vom Himmel. GoPro-CEO Nick Woodman zog die Konsequenzen: Karma wurde eingestellt, das Drohnenteam mit knapp 300 Mitarbeitern entlassen. Er selbst verzichtete auf sein Gehalt.

Die Geschwindigkeit der chinesischen Entwicklungen wird sich dabei noch erhöhen. Denn um lernen zu können brauchen die Computer Daten. Nirgends in der Welt entstehen derzeit so schnell so viele Daten wie in China. Das ist ein entscheidender Vorteil, den wir in Deutschland so nicht haben.

Es wird also schwer werden. Aber wenn es jemand schafft, dann Merkel. Sie hat noch die Möglichkeit, in ihrer wohl letzten Amtszeit Geschichte zu schreiben, als diejenige, die verhindert hat, das Deutschland und Europa technologisch in die Knie gehen.

Sind wir nicht mehr fortschrittlich, werden die Chinesen rasch das Interesse an uns verlieren. Wir sitzen dann auch nicht mehr mit am Tisch, wenn es darum geht, die globalen Spielregeln für die neuen Technologien festzulegen. Auch unser politischer Einfluss in Peking würde sinken. Selbst der von Angela Merkel.
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