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Kolumne: Sieren Süß-Sauer

Verdecktes Nachgeben

China und die USA bewegen sich aufeinander zu, weil beide in dem Handelskrieg Schaden nehmen. China hat jedoch mehr Luft, meint Frank Sieren.

Ein Durchbruch ist es nicht. Aber ein deutliches Zeichen, dass beide Seiten verhandeln wollen. Washington und Peking haben im Rahmen des G20-Gipfels in Argentinien im Handelsstreit nachgegeben, weil beide in diesem Machtkampf nicht endlos Zeit haben, aber auch noch nicht mit dem Rücken zur Wand stehen. Deshalb konnte Peking nur einen Aufschub von drei Monaten aushandeln. Washington ist es nicht gelungen, den Chinesen schon jetzt etwas Konkretes abzutrotzen. Entsprechend unterschiedlich fielen die Interpretationen der Fortschritte aus: Peking bekenne sich sofort dazu, „substanziell mehr“ in USA einzukaufen, so US-Präsident Donald Trump. Die Formulierung des chinesischen Außenminister Wang Yi war hingegen weicher: China werde mehr in den USA einkaufen, jedoch nicht dem Wunsch Trump folgend, sondern nur „entsprechend des Bedarfs unseres heimischen Marktes und seiner Menschen.“ Das kann alles oder nichts bedeuten.

Ebenso vollmundig verkündete Trump in einem seiner Tweets, die Zölle für Autos „von gegenwärtig 40 Prozent reduziert oder gar ganz abgeschafft” zu haben. Was er nicht erwähnt: Erst im Sommer hat Peking im Zuge des Handelskrieges 25 Prozent an Steuern für Autos draufgeschlagen. Und: Die Amerikaner selbst verlangen wiederum 27,5 Prozent Zölle auf Autos aus China.

Die Senkung oder Abschaffung der Zölle ist auch ein Knackpunkt des Handelsstreites für die deutsche Industrie. Denn Daimler und BMW produzieren Autos in den USA, die sie in den chinesischen Markt exportieren. Die Summen, um die es dabei geht, sind allerdings vergleichsweise klein für Chinas Wirtschaft. Im vergangenen Jahr haben die USA Autos im Wert von nur knapp zehn Milliarden US-Dollar nach China importiert. Die allermeisten Autos, nämlich 85 Prozent, werden längst in China für die Chinesen hergestellt.

Inzwischen müsste das auch Donald Trump klar sein. Nicht etwa nur China, sondern beide Volkswirtschaften leiden unter dem Handelsstreit. Die OECD geht davon aus, dass die US-Wirtschaft von 2,9 Prozent in diesem Jahr auf 2,1 Prozent im Jahr 2020 sinken wird, also sogar stärker als die chinesische Wirtschaft von 6,6 Prozent auf sechs Prozent.

Allerdings ist der Spielraum, um solche Einbrüche zu kompensieren, für die aufsteigende Wirtschaft China viel größer. Kurz: China muss viel weniger Geld drucken als die USA, um seine Wirtschaft zu stützen und sich nicht im Ausland zu verschulden. Zudem wird Chinas Wirtschaft mit jedem Monat, der ins Land geht, unabhängiger von Exporten. Vor gut zehn Jahren hingen noch 35 Prozent des BIPs an den Ausfuhren, heute sind es nur noch 18 Prozent – Tendenz weiter fallend.

Die deutsche Wirtschaft scheint die Einschätzung zu teilen, dass China mit dem Machtkampf besser klarkommt, als es auf den ersten Blick scheint. Fast alle deutschen Firmen, so eine Umfrage der deutschen Handelskammer, wollen ihre China-Investitionen wie geplant durchführen oder sogar ausbauen. Und das obwohl über die Hälfte der Unternehmen mit der Marktöffnungspolitik nicht zufrieden ist und ein Drittel davon ausgeht, dass Chinas Wirtschaft im kommenden Jahr schwächer wird. Die Investitionen in die USA sind dagegen eingebrochen. Doch selbst wenn sich China und die USA in den nächsten drei Monaten vollends einigen, was sehr wahrscheinlich ist: Das Ringen der beiden Weltmächte wird weitergehen und der globalen Wirtschaft weiter Schwierigkeiten bereiten.
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