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China

Skandal um gefälschte Tollwut-Impfstoffe weitet sich aus

Bereits seit April 2014 soll das Pharmaunternehmen Changchun Changsheng Daten gefälscht und unwirksame Tollwut-Impfstoffe in Umlauf gebracht haben.

Handelsblatt.com vom 08.08.2018 10:29:00 Uhr

Der Impfstoff-Skandal, von dem in China möglicherweise Hunderttausende Kinder betroffen sind, zieht weitere Kreise. Nach Behördenangaben soll die im Mittelpunkt der Ermittlungen stehende Pharmafirma Changchun Changsheng bereits seit April 2014 Daten gefälscht und zum Teil unwirksame und abgelaufenen Tollwut-Impfstoffe in Umlauf gebracht haben.

Eine Rückrufaktion im In- und Ausland wurde eingeleitet, wie aus einer Mitteilung hervorgeht, die am Mittwoch auf der Website der Nationalen Gesundheitsbehörde abrufbar war. Daraus ging nicht hervor, in welche anderen Staaten die Firma seine Impfstoffe verkauft hat.

Der Mitte Juli bekanntgewordene Skandal hat in China eine Welle der Empörung ausgelöst. Zunächst wurde bekannt, dass das Unternehmen Papiere über die Produktionsdaten eines Tollwut-Impfstoffes gefälscht haben soll.

Zudem habe Changsheng im vergangenen Herbst einen unwirksamen Kombi-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten (DTP) verkauft hat, der mindestens 200.000 Kleinkindern verabreicht wurde. Gegen 18 Mitarbeiter wurden Haftbefehle beantragt.

Ein anderer Hersteller ist ebenfalls im Visier der Ermittler. So seien in der Provinz Hebei Kindern schadhafte DTP-Impfstoffe des Wuhan Institute of Biological Products injiziert worden. Skandale mit fehlerhaften Medikamenten oder Nahrungsmitteln haben in China eine starke politische Sprengkraft, besonders, wenn Kinder betroffen sind. Auch gibt es wenig Vertrauen in die Aufsichtsbehörden.

Der Skandal schürte Spekulationen, dass Chinesen ihre Kinder zu Impfungen außerhalb des chinesischen Festlandes bringen könnten, was zu Impfstoff-Knappheit in Regionen wie Hongkong oder Macau führen könnte. Gegenwärtig gebe es aber eine stabile und ausreichende Versorgung mit Impfstoffen, erklärten die Behörden in Hongkong und Macau.

Die Aktien von Changsheng brachen am Dienstag an der Börse um rund zehn Prozent ein. Seit Mitte Juli hat das Unternehmen rund 1,8 Milliarden Dollar an Börsenwert eingebüßt. Auch die Aktien anderer chinesischer Impfstoffhersteller und Biotechfirmen waren stark in Mitleidenschaft gezogen worden, nachdem Regierungschef Li Keqiang Changsheng vorgeworfen hatte, eine rote Linie überschritten zu haben und zu raschem Handeln aufrief.

Die Firma hatte sich am Montag entschuldigt. Chinas Präsident Xi Jinping hatte nach dem Bekanntwerden der Anschuldigungen eine sofortige Untersuchung und strenge Bestrafung der Verantwortlichen gefordert.

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