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Zukunftstechnologien

Nur ein Fünftel aller deutschen Unternehmen nutzt KI

Beim Einsatz Künstlicher Intelligenz sind chinesische Firmen führend, deutsche Unternehmen hinken hinter. Das liegt laut einer Studie vor allem am Management.

Handelsblatt.com vom 29.11.2018 10:00:00 Uhr

Wenn Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) am kommenden Montag den Digital-Gipfel 2018 in Nürnberg eröffnet, müsste er die Vertreter aus Unternehmen und Wirtschaft eigentlich zum Nachsitzen verdonnern. Nach einer neuen Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) beschäftigt sich weniger als die Hälfte aller deutschen Unternehmen mit der Zukunftstechnologie Künstliche Intelligenz (KI).

Das ist zwar ähnlich mäßig wie im Nachbarland Frankreich, aber deutlich schlechter als in China. Dort nutzen 85 Prozent aller Unternehmen smarte Maschinen.

“Wenn Deutschland seinen Platz als eine der wichtigsten Wirtschaftsnationen weltweit behalten will, besteht jetzt dringend Handlungsbedarf. Schließlich ist KI einer der Pfeiler für künftiges wirtschaftliches Wachstum in allen Branchen”, betonte BCG-Deutschlandchef Carsten Kratz bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Die Beratungsgesellschaft hat 2700 Manager in sieben Ländern nach dem Einsatz intelligenter Maschinen befragt. Besonders bedenklich: Nur 20 Prozent aller Firmen wenden hierzulande KI an, 30 Prozent sind noch in der Entwicklungsphase.

Die ernüchternden Ergebnisse der Umfrage stehen im Kontrast zu der jüngsten Studie des World Economic Forums (WEF) über die Innovationsfreudigkeit der großen Volkswirtschaften. Dort hatte Deutschland zur Überraschung vieler Experten als das innovationsfreudigste Land abgeschnitten – noch vor den USA und China.

Für die BCG-Marktforscher hat das aufstrebende Reich der Mitte beim Thema KI jedoch eindeutig die Nase vorn. Dass sich dort bereits fast neun von zehn Unternehmen aktiv mit KI-Lösungen befassen, hat mehrere Gründe. “China profitiert davon, dass die Unternehmen dort u\x{0308}ber alle Branchen hinweg vergleichsweise jung, agil und innovationsfreudig sind”, erläutert BCG-Partner Jörg Erlebach die Diskrepanz.

Hinzu komme, dass in Deutschland die Innovationszyklen mit durchschnittlich fast elf Monaten anderthalbmal länger sind als in China. Unter einem Innovationszyklus versteht man gemeinhin die Zeit von der Idee bis zur Markteinführung eines Produkts.

Dass die deutschen Unternehmen beim Einsatz Künstlicher Intelligenz hinterherhinken, lässt sich nach Meinung der Autoren nicht allein auf mangelnde staatliche Unterstützung zurückführen. “KI in Unternehmen ist vor allem eine Frage des Managements”, erkla\x{0308}rt Erlebach, der zudem Chef von Gamma, der BCG-Tochterfirma für künstliche Intelligenz, in Deutschland ist. Die Top-Manager müssten dem Thema Priorität einräumen, sonst könne sich der Abstand zu China sogar noch vergrößern.

Für den chinesischen Investor Kai-Fu Lee bremst aber auch der aus seiner Sicht übertriebene Schutz der Privatsphäre den technischen Fortschritt in Europa.

“Europa sollte klar sein, dass es sich aus dem KI-Wettbewerb verabschiedet, indem es so eine hohe Priorität auf Privatsphäre legt. Wäre der Wettlauf um Künstliche Intelligenz die Olympischen Spiele, dann hätte Europa einen Anspruch auf den dritten Platz gehabt, hinter den USA auf Platz eins und China”, warnt der ehemalige Chef von Google in China, der gerade unter dem Titel “AI Superpowers” gerade ein Buch über den weltweiten Wettlauf beim Einsatz Künstlicher Intelligenz geschrieben hat.

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