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Kim trifft Xi

Mit Möwen und Tee - China und Nordkorea üben erneut den Schulterschluss

Kim und Xi haben sich in der nordchinesischen Küstenstadt Dalian getroffen. Das zweite Treffen in weniger als zwei Monaten demonstriert die Nähe zwischen Peking und Pjöngjang.

Handelsblatt.com vom 08.05.2018 13:54:57 Uhr

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping sitzt am Verhandlungstisch, während der nordkoreanische Führer Kim Jong Un aufmerksam zuhört und Notizen macht. Das sind die Bilder, die das chinesische Staatsfernsehen in seinen Abendnachrichten zur besten Sendezeit über das zweite Treffen der zwei benachbarten Staatsoberhäupter in weniger als zwei Monaten ausstrahlt. Der Bericht suggeriert, dass Kim nach dem vollbrachten Korea-Gipfel mit Südkoreas Präsidenten Moon Jae-in am 27. April nun Bericht an Xi erstattet.

So hatten die beiden, laut Chinas staatlicher Nachrichtenagentur Xinhua, “einen umfassenden und eingehenden Meinungsaustausch” über die Beziehungen beider Länder und sprachen über “Fragen von gemeinsamen Interesse”. Die Gesprächsatmosphäre sei “intim und freundlich” gewesen. Xi betonte dabei, wie wichtig Stabilität auf der Halbinsel sei und dass er die De-Nuklearisierung sowie das Treffen zwischen Kim und US-Präsidenten Donald Trump unterstütze. Später zeigte der Fernsehbericht, wie die beiden am Strand spazieren gingen, auf Möwen zeigten und Tee miteinander tranken.

Kim sucht mit seiner überraschenden Stippvisite bei Xi ganz offensichtlich die Rückendeckung seiner Schutzmacht für seine Verhandlungen mit Trump. Und er nutzte die Chance, um über Xinhua noch einmal seine Ausgangsposition für den ersten US-Nordkorea-Gipfel darzustellen. “Solange die relevanten Parteien ihre feindlichen Maßnahmen abschaffen und die Sicherheitsbedrohungen gegen Nordkorea abstellen, wird Nordkorea seine Atomwaffen nicht brauchen und De-Nuklearisierung ist machbar”, hat Kim laut Xinhua zu Xi gesagt.

Darüber hinaus hofft er, dass beide Seiten durch die Gespräche Vertrauen bilden. Zudem forderte er offen, was Experten ihm bereits lange als Verhandlungsziel unterstellen: Während Trump unverzüglich eine komplette, überprüfbare und unumkehrbare Abschaffung von Nordkoreas Massenvernichtungswaffen fordert, plädiert Kim für schrittweise Maßnahmen.

Zwei Tage lang ging das Treffen zwischen Xi und Kim in der nordöstlichen Hafenstadt Dalian. Dabei war Nordkoreas Staatsoberhaupt erst Ende März mit seinem olivfarbenen Sonderzug nach Peking gefahren, um sich mit Xi zu treffen. Dieses Mal sei Kim aber mit einem Flugzeug zurückgereist, berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap.

Kims Besuch zeigt, dass sich die Beziehungen zwischen Peking und Pjöngjang seit dem letzten Treffen rapide verbessert haben. Zuletzt war das Verhältnis zwischen den zwei Ländern, die einst Seite an Seite gegen die USA im Koreakrieg gekämpft hatten, eher frostig gewesen. Vor seinen zwei China-Besuchen hatte Kim das Land seit seinem Amtsantritt in 2011 nicht einmal verlassen.

Xi hat Nordkorea noch nicht besucht, seitdem er Generalsekretär der kommunistischen Partei Chinas und Staatspräsident geworden ist. Um Druck auf Pjöngjang auszuüben, unterstützte China letztes Jahr zudem die UN-Sanktionen und beschnitt damit die Energielieferung sowie die Barreserven seines Nachbarn.

Laut Zhu Feng, Professor für Internationale Beziehungen an der Nanjing Universität, brauche Nordkorea China, um seine Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen. Xi wiederum könne Nordkorea als Verhandlungsmasse gegen die USA einsetzen. Mit dem Treffen habe “China seinen Einfluss zur Schau gestellt”, so Zhu. “Sollte die Vereinigten Staaten weiterhin ihre feindliche Einstellung gegenüber China behalten, dann kann China seine Nordkorea-Politik ändern.”

Kim und Xis Wiedersehen kommt weniger als zwei Wochen nach dem historischen Treffen zwischen Kim und Moon und gut einem Monat vor dem Gipfel mit Trump. Der wiederum hatte auf Twitter verkündet, noch am Dienstag morgen amerikanischer Ortszeit mit Xi über Handel und Nordkorea am Telefon sprechen zu wollen.

Vergangene Woche hatten die ersten Verhandlungsgespräche über den Handelskonflikt zwischen den USA und China in Peking stattgefunden. Danach hieß es, dass man sich in manchen Punkten schon einigen konnte, aber noch viele Unstimmigkeiten bestünden. Der chinesische Vize-Premier Liu He, der für Finanzen und Wirtschaft zuständig ist, soll nächste Woche nach Washington reisen, um die Verhandlungen fortzuführen.

Wo letztlich die Kompromisslinien zwischen China, den USA und Nordkorea liegen könnten, ist noch nicht klar. In Südkorea macht sich eine Sorge breit, die Trumps nationaler Sicherheitsberater John Bolton als “baren Unsinn” verworfen hat: Die New York Times und das Wall Street Journal hatten am Wochenende angedeutet, dass Trump die US-Truppen in Südkorea als Verhandlungsgut in den Gesprächen mit Kim einsetzen könnte. Derzeit sind mehr als 28.000 US-Soldaten im Süden stationiert, um den Verbündeten gegen Nordkorea zu unterstützen.

Doch die jeweiligen Gespräche Xis mit Kim und Trump sind nur Teil einer regen Gipfeldiplomatie, die die gesamte zerstrittene Region schlagartig zusammenbringt. Am Mittwoch werden sich in Japan Chinas Ministerpräsident Li Keqiang mit Japans Regierungschef Shinzo Abe und Südkoreas Präsident Moon Jae-in zu einer seltenen trilateralen Gesprächsrunde treffen. Auch dort werden die Verhandlungen mit Nordkorea im Mittelpunkt stehen. In naher Zukunft wollen sich zudem Xi und Abe treffen – bisher hatten die beiden es vermieden, sich gegenseitig offiziell zu besuchen.

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