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Roboterhersteller

Kuka-Chef geht in wenigen Tagen - "Investorenverträge bleiben bestehen"

Der chinesische Eigentümer trennt sich von Till Reuter. Für die Nachfolge an der Spitze des Roboterherstellers bahnt sich eine Lösung an.

Handelsblatt.com vom 26.11.2018 08:50:13 Uhr

Direkt nach der Nachricht versuchen die chinesischen Eigentümer, Sorgen der Mitarbeiter zu zerstreuen. Die bei der Übernahme vereinbarten Investorenverträge, die zum Beispiel die Arbeitsplätze bis Ende 2023 garantieren, blieben “unverändert bestehen”, heißt es am Morgen bei Kuka.

Grund für die Unruhe: Nach fast zehn Jahren an der Spitze des Roboterherstellers muss Vorstandschef Till Reuter gehen. Finanzvorstand Peter Mohnen übernimmt den Chefsessel zum 6. Dezember interimistisch, teilte Kuka am Montagmorgen nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Warum sich Kuka von Reuter trennt, teilte das Unternehmen nicht mit. Allerdings erklärte der Aufsichtsratsvorsitzende Andy Gu vom Großaktionär Midea, Kuka sei “gut positioniert, um wieder auf den Weg des nachhaltigen Wachstums zu gelangen, indem das Unternehmen von der steigenden Nachfrage nach intelligenter Robotik profitiert und die Position auf dem chinesischen Markt stärkt”. Der Roboterbauer hatte vor wenigen Wochen die Erwartungen für 2018 nach unten korrigiert und dies auch mit einer schwächeren Nachfrage in Asien begründet.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Industriekreisen war aber auch das Vertrauensverhältnis zwischen Reuter und den Chinesen gestört. Bei den Differenzen soll es auch um Gemeinschaftsunternehmen in China gegangen sein. Midea wollte offenbar stärker durchregieren, als Reuter lieb war. Die Übernahme des Unternehmens durch Midea hatte Reuter früh unterstützt.

Ein Insider, der unerkannt bleiben möchte, sagte dem Handelsblatt: “Es hat Kommunikationsprobleme zwischen Kuka und Midea gegeben. Till Reuter hat nicht verstanden, was Mideas Vorstand sich von Kuka gewünscht hat. Er hat es nicht geschafft, Kukas Technologie gut genug mit den Bedürfnissen des chinesischen Marktes zusammenzubringen.”

Midea-Mitarbeiter waren von der Nachricht überrascht. Keine chinesische Nachrichtenagentur oder Publikation hat bisher über diese Nachricht berichtet. Auf der Webseite von Midea findet sich bisher auch keine Mitteilung zu diesem Schritt.

Die Nachricht kommt zu einer sensiblen Zeit. China befindet sich zur Zeit im Handelskonflikt mit den USA. Peking buhlt um die Gunst Berlins, denn Deutschland ist einer seiner wichtigsten Handelspartner.

In dieser Woche, kurz vor dem G20-Gipfel in Buenos Aires und dem Showdown zwischen dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping und US-Präsidenten Donald Trump, befindet sich Chinas Wirtschafts-Zar Liu He auf einem viertägigen und damit ungewöhnlich langen Aufenthalt in Deutschland. Dabei trifft er sich in Berlin mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und Lars-Hendrik Röller, dem Leiter der Wirtschafts- und Finanzabteilung im Bundeskanzleramt.

Ex-Investmentbanker Reuter hatte das Unternehmen fast zehn Jahre geführt und erst zu dem begehrten Hochtechnologie-Spezialisten gemacht, für den die Chinesen schließlich mehr als vier Milliarden Euro auf den Tisch legten. Nach Informationen des Handelsblatts hätte Reuter grundsätzlich gerne weitergemacht, er gehe “mit Kuka im Herzen”.

Der scheidende Chef selbst erklärte am Montag: “Ich bin stolz darauf, die letzten zehn Jahre Teil von Kuka gewesen zu sein und die Robotik gemeinsam mit dem Team weiterentwickelt zu haben.” Robotik und Automatisierung seien die Schlüsselthemen der Zukunft. “Viel Glück für das gesamte Team. Ihr habt immer meine Unterstützung.”

Aufsichtsratschef Gu dankte Reuter “für seinen großen Einsatz, mit dem er den Umschwung von Kuka seit seiner Übernahme im Jahr 2009 erfolgreich bewältig hat”. Der Großaktionär ließ zudem verkünden: “Alle bestehenden Investorenverträge, die Kuka mit Midea als Mehrheitsaktionär unterzeichnet hat, einschließlich der Abschirmvereinbarung zum Schutz des geistigen Eigentums von Kuka bleiben unverändert bestehen.”

Finanzvorstand Mohnen könnte den Chefposten dauerhaft übernehmen

Midea bekunde “die Unterstützung der Wachstumsstrategie von Kuka, darunter die Entwicklung des chinesischen Marktes, die Fokussierung auf Forschung und Entwicklung, Investitionen in Digitalisierung und Industrie 4.0 sowie ein starkes Engagement für die Präsenz von Kuka in Deutschland.”

Der Vorstand der Kuka besteht nur aus zwei Personen. Finanzvorstand Mohnen soll dabei vorübergehend auch den Chefsessel übernehmen, hat aber auch Chancen, auf Dauer Vorstandsvorsitzender zu werden. “Die Führungsriege steht erst einmal”, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen.

Mohnen bekomme eine Chance, es sei “absolut nicht ausgeschlossen”, dass er auch dauerhaft Vorstandsvorsitzender werden könne. Ein Midea-Sprecher sagte auf Anfrage: “Der Großaktionär hat uneingeschränktes Vertrauen zu Peter Mohnen.” Der bisherige Finanzvorstand hatte von 1993 bis 2012 in verschiedenen Funktionen für den Energieversorger Eon gearbeitet.

Die Übernahme von Kuka war der bisher spektakulärste Einstieg chinesischer Investoren bei einem deutschen Unternehmen. Da Kuka mit den Robotern eines der Kernstücke der Industrie 4.0 liefert, wurde die Übernahme kontrovers diskutiert. Erst der Fall Kuka habe die Verschärfung des Außenwirtschaftsgesetzes ermöglicht, hieß es im Umfeld der bayerischen Staatsregierung. Zuletzt waren die Übernahmen des Maschinenbauers Leifeld und des Netzbetreibers 50Hertz am politischen Widerstand gescheitert.

Die Chinesen hatten ihren Einfluss bei Kuka deutlich gemacht. Im Aufsichtsrat sitzen bereits Midea-Board-Direktor Gu, Vorstandschef Paul Fang, Personalchefin Francoise Liu sowie der Finanzchef von Goodpack IBC aus Singapur, Alexander Tan. Die Arbeitnehmer beurteilen das Wirken der Chinesen insgesamt bis heute eher wohlwollend. Der Investor sei langfristig orientiert, die Arbeitsplätze wurden bis Ende 2023 garantiert.

Allerdings wurde in Augsburg zuletzt gemunkelt, dass Midea bestehende Strukturen zwar nicht antaste, neue Entwicklungskapazitäten aber eher in China aufgebaut würden. In Industriekreisen wird die Einschätzung grundsätzlich bestätigt. Allerdings sei China derzeit nun auch einmal der spannendste Robotikmarkt. Auch ohne einen chinesischen Großaktionär müsste der Fokus von Kuka dort liegen.

Ganz rund lief es bei Kuka zuletzt nicht mehr. Erst Ende Oktober hat Kuka die Jahresprognose nach unten korrigiert. Statt mehr als 3,5 Milliarden Euro Umsatz und einer bereinigten operativen Umsatzrendite von 5,5 Prozent erwartet der Konzern nun nur noch Erlöse von 3,3 Milliarden Euro und eine Marge von 4,5 Prozent.

Ganz überraschend kam die Entwicklung nicht. Wichtigster Abnehmer von Robotern insgesamt ist immer noch die Automobilindustrie – und da gibt es derzeit viele Unsicherheiten, eine Reihe von Zulieferern hat daher die Prognosen nach unten korrigiert. Bei der Absenkung der Prognose war aber auch etwas kryptisch von “Unwägbarkeiten des chinesischen Automatisierungsmarktes” die Rede.

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