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Meng Hongwei

Interpol-Präsident wird seit China-Reise vermisst

Meng Hongwei ist seit einer Reise nach China verschwunden. Die französische Justiz ermittelt. Mengs Arbeitgeber Interpol bleibt auffallend still.

Handelsblatt.com vom 05.10.2018 14:26:00 Uhr

Der Präsident der internationalen Polizeiorganisation Interpol, Meng Hongwei, wird vermisst. Das Verschwinden des Chinesen bringen französische Medien in Zusammenhang mit den internen Säuberungen in China und in der dortigen Kommunistischen Partei (KP).

Bevor Meng Ende 2016 seinen Posten in der wichtigsten internationalen Polizeiorganisation antrat, war er Vizeminister für öffentliche Sicherheit. Am 29. September flog er nach Peking und wurde laut “South China Morning Post” am Flughafen sofort verhaftet. Die französische Justiz ermittelt wegen “besorgniserregenden Verschwindens”.

Französische Medien wie “Le Monde” sehen den Fall Meng als eine weitere der illegalen Inhaftierungen an, mit denen die chinesischen Behörden in Ungnade gefallene Unternehmer oder Politiker zum Reden bringen. In manchen Fällen werden sie mehrere Monate an unbekanntem Ort und ohne jeden Rechtsbeistand gefangen gehalten. Anschließend werden sie freigelassen – oder auch in einem formalen Verfahren zu langen Gefängnisstrafen verurteilt.

Letzteres ist dem Mann passiert, dem Meng seinen Aufstieg zum Vizeminister verdankt. Zhou Yongkang wurde 2004 Minister und war Politbüromitglied. Im Juli 2014 wurde ihm der Prozess gemacht, wegen “schwerer Disziplinlosigkeit” – Parteichinesisch für Korruption. Mit diesem Vorwurf hat Chinas starker Mann Xi Jinping bereits zahlreiche Gegner oder Machtkonkurrenten aus dem Weg geräumt. Zhou erhielt eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Sollten sich die Annahmen bestätigen, dass chinesische Behörden in den Fall involviert sind, zeichnet sich eines mehr und mehr ab: Peking nimmt keinerlei Rücksicht mehr auf hohe internationale Posten. Das wäre eine neue Qualität.

In Frankreich verschwanden 2017 zwei chinesische Geschäftsleute, die in französische Unternehmen investiert hatten. Beide kamen erst nach mehreren Wochen wieder frei: stark abgemagert, aber ohne Verurteilung.

Interpol selbst nahm bislang nicht Stellung zur ungeplanten Abwesenheit seines Präsidenten. Meng taucht konsequenterweise auch nicht auf der Liste verschwundener Personen auf, die die Organisation führt. Offenbar will Interpol sich nicht mit den Chinesen anlegen. Eine Anfrage, ob sich die Behörde um eine Stellungnahme seitens des chinesischen Sicherheitsapparates bemüht habe, blieb unbeantwortet.

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