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Großaktionär

HNA will Deutsche-Bank-Anteil verkaufen - Aktie unter Druck

Der chinesische Großkonzern HNA hält etwa 7,6 Prozent an der Deutschen Bank. Jetzt wird der Verkauf der Beteiligung geplant. Es wäre das Ende einer komplizierten Beziehung.

Handelsblatt.com vom 07.09.2018 10:05:00 Uhr

Nach Informationen des Handelsblatts plant der chinesische Mischkonzern HNA, seinen Anteil an der Deutschen Bank zu verkaufen. Der Konzern besitzt rund 7,6 Prozent an dem Dax-Konzern.

Ein HNA-Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, bestätigte den grundsätzlichen Plan, die Aktien verkaufen zu wollen. Der Zeitpunkt des Ausstiegs sei allerdings noch offen. Die Deutsche Bank und HNA erklärten lediglich: “Kein Kommentar.”

Die Deutsche-Bank-Aktie fiel am Vormittag bis auf 9,53 Euro und erreichte damit den tiefsten Stand seit Mitte Juli. Zuletzt notierte das Papier 2,37 Prozent. Als erstes hatte das “Wall Street Journal” über die Pläne berichtet.

Die chinesische Staatsführung hatte im Juni während einer geheimen Sitzung mit dem HNA-Vorstandschef Chen Feng und mehreren großen HNA-Geldgebern Bedingungen für eine künftige finanzielle Unterstützung des Konzerns gestellt. Dazu gehörte, dass HNA zu seinem Kerngeschäft Tourismus und Luftfahrt zurückkehren müsse.

Kein Zeitplan für Verkauf der Deutsche-Bank-Aktien

“Mit dem Verkauf des Deutsche-Bank-Anteils beweisen wir, dass wir die Botschaft verstanden haben”, sagte der HNA-Mitarbeiter dem Handelsblatt. Die Deutsche Bank sei keine schlechte Anlage, aber die Vorgaben müssten erfüllt werden. HNA habe festgestellt, dass man zu optimistisch gewesen sei, was den eigenen Schuldenabbau angehe. Trotz des bereits erfolgten Verkaufs von Beteiligungen in einem Umfang von 20 Milliarden Dollar leide der Konzern weiterhin an Liquiditätsengpässen.

Derzeit gebe es weder einen konkreten Zeitplan noch einen bestimmten Abnehmer für die Deutsche-Bank-Anteile. Er gehe davon aus, dass die Aktien nicht sofort veräußert würden.

Unfalltod von Gründer Wang Jian vor einigen Wochen

Aushängeschild des hochverschuldeten HNA-Konzerns ist die Fluglinie Hainan Airlines, die viertgrößte Fluggesellschaft Chinas. Nach dem Unfalltod von Gründer Wang Jian vor einigen Wochen hatte es geheißen, HNA werde die mit den Gläubigern vereinbarten Verkäufe von Geschäftsteilen in den kommenden Monaten fortsetzen.

Das Konglomerat hat in diesem Jahr den Verkauf von Firmenbeteiligungen, Immobilien und anderen Vermögenswerten für mehr als 16 Milliarden Dollar vereinbart, wie Berechnungen von Reuters ergaben. HNA wollte sich nicht zur Höhe der Verschuldung äußern.

Die Mehrheit an dem Konzern, der wegen seiner undurchsichtigen Eigentümerstruktur wiederholt für Kritik sorgte, besitzen eine in New York ansässige Stiftung und eine in China beheimate Stiftung, die zusammen 52 Prozent halten.

Komplizierte Beteiligungsstruktur

Die HNA Group hat ihre Beteiligung von ursprünglich 9,9 Prozent in mehreren Schritten bereits auf 7,6 Prozent reduziert, im April allerdings versichert, dass man sich von keinen weiteren Anteilen trennen will. Der chinesische Mischkonzern hält den Anteil über den Finanzinvestor C-Quadrat. C-Quadrat wollte die Verkaufspläne von HNA auf Anfrage nicht kommentieren.

In Finanzkreisen hieß es, HNA habe noch keine Verkaufsorder an den von C-Quadrat verwalteten Fonds gegeben, der die Deutsche-Bank-Anteile hält. Das könne entweder bedeuten, dass HNA eine Erholung des schwächelnden Aktienkurses abwarten wolle. Oder aber, HNA und die chinesische Regierung erwägen, den Anteil an einen anderen chinesischen Großaktionär zu verkaufen, wie in Investorenkreisen spekuliert wird. Ein solcher Großinvestor könnte beispielsweise eine chinesische Staatsbank sein. Die Beteiligung an der Deutschen Bank war in HNA-Kreisen in der Vergangenheit immer wieder auch als politisch bedeutsame Investition bezeichnet worden.

Nach Informationen aus Finanzkreisen wurden sowohl die Deutsche Bank als auch die österreichische Fondsgesellschaft von der Nachricht aus China überrascht. Alexander Schütz, der Chef von C-Quadrat, sitzt auch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, sein Vertrag läuft noch bis 2023. Ob und wie die Verkaufspläne sein Mandat beeinflussen werden, ist derzeit noch unklar.

HNA hatte sich für die Beteiligung Milliarden geliehen und sie über eine hochkomplexe Derivatestruktur mit Hilfe der Schweizer Großbank UBS gegen zu hohe Kursverluste abgesichert. Diese Absicherungsstruktur dürfte auch einer der Gründe sein, warum sich die Verluste der Deutsche-Bank-Aktie trotz der Spekulationen um den Ausstieg von HNA am Freitag Vormittag mit einem Minus von bis zu 1,3 Prozent in Grenzen hielten.

Die Derivatestruktur, die im Fachjargon “Collar” genannt wird, sorgt dafür, dass die UBS die Verluste der Deutsche-Bank-Aktie übernehmen muss, wenn der Kurs unter eine bestimmte Schwelle fällt. Im Gegenzug verzichtet HNA auf Kursgewinne über einer bestimmten Schwelle. Diese Konstruktion führt dazu, dass bei Verkäufen von HNA die Schweizer Großbank entgegengesetzte Absicherungsgeschäfte auflösen muss. Diese Gegengeschäfte würden den Kurs der Deutschen Bank im Fall des Verkaufs tendenziell stützen.

Es sei aber unwahrscheinlich, dass sich beide Effekte vollständig gegenseitig ausgleichen würden, heißt es in Frankfurter Finanzkreisen. Bei einem tatsächlichen Verkauf werde am Ende vermutlich eine, wenn auch überschaubare, negative Wirkung stehen.

Liquides Papier mit zwei Großinvestoren

Europäischen Aufsichtsbehörden ist die Beteiligung von HNA an der Deutschen Bank seit längerem ein Dorn im Auge. Zu intransparent und fragwürdig konstruiert sei die Struktur. Dass die Beteiligung der Chinesen größtenteils über eine komplexe Derivate-Struktur finanziert wurde, habe “schon für Erstaunen gesorgt”, heißt es am Freitag aus europäischen Aufsichtskreisen. Auch über den nun geplanten Ausstieg habe der chinesische Investor die Behörden nicht vorab informiert.

Dementsprechend unterkühlt fällt nun die Reaktion aus: “Ein Ausstieg würde natürlich kurzfristig erst einmal Unruhe stiften, aber man kann ja auch nicht sagen, dass HNA als Ankerinvestor für die Bank immer förderlich gewesen ist”, heißt es. Es habe sich längst abgezeichnet, dass HNA kein Großinvestor sei, der die Bank strategisch und kapitalmäßig habe begleiten können. Würde ein anderer, stabilerer Großinvestor in HNAs Fußstapfen treten, sei dies sogar “eher positiv”.

“Natürlich entsteht dadurch ein gewisser Verkaufsdruck”, warnt Analyst Thomas Hallett von Keefe, Bruyette & Woods. Allerdings sei es positiv, dass mit dem Verkaufsplan ein Schlussstrich unter “die belastete Beziehung zwischen der Bank und einem ihrer großen Aktionäre gezogen wird”. Hallett geht davon aus, dass die Investoren die Klarheit begrüßen werden und die Aktien nun auf einer “stabileren Basis” gehandelt werden können.

Die Aktien der Deutschen Bank am Markt zu platzieren, wird nach Ansicht von Bankern unproblematisch sein. Das Wertpapier des Instituts sei liquide. Als vornehmliche Interessenten werden Hedgefonds erwartet, die zugriffen, sofern der Preis stimmt. Die Platzierung der Aktien sei entweder stückweise über den Handel möglich oder aber auch in der Form einer Schnellplatzierung, eines sogenannten Blocktrades. Hierbei wird eine größere Menge Aktien über Banken bei institutionellen Investoren wie Hedgefonds mit einem Abschlag platziert. In schwierigen Fällen kann der Rabatt durchaus mehrere Prozent betragen.

Nach einem möglichen Ausstieg von HNA blieben als strategische Großaktionäre die Herrscherfamilie des Scheichtums Katar, die direkt oder indirekt über Derivate rund zehn Prozent der Aktien kontrolliert, außerdem der US-Finanzinvestor Cerberus. Im Herbst 2017 war Cerberus mit mindestens drei Prozent bei den Frankfurtern eingestiegen. Weil die Amerikaner die Deutsche Bank auch bei der Umsetzung ihrer Strategie beraten, ist ihr Anteil derzeit eingefroren, um Interessenskonflikte zu vermeiden.

Außerdem hält die weltgrößte Fondsgesellschaft Blackrock laut dem Informationsdienst Bloomberg 4,4 Prozent der Deutsche-Bank-Aktien. Dabei handelt es sich allerdings größtenteils um automatisch getätigte Investitionen von Blackrock-Fonds, die passiv Wertpapier-Indizes nachbilden, in denen die Deutsche Bank vertreten ist.

HNA und Deutsche Bank – eine schwierige Beziehung

HNA ist ein Mischkonzern mit Hauptsitz auf der chinesischen Ferieninsel Hainan und wurde 1993 gegründet. Neben seinem Aushängeschild, der Fluggesellschaft Hainan Airlines, gehören zahlreiche weitere Bereiche zum Konzern, darunter Fluglinien und Hotelketten. Die Chinesen hatten sich in den zurückliegenden Jahren für viele Milliarden verschuldet und bei zahlreichen westlichen Firmen zugekauft, etwa beim Flughafenbetreiber Swissport und bei der Hilton-Hotelkette.

Im Februar 2017 waren die Chinesen bei der Deutschen Bank eingestiegen. Damals hatte sich HNA noch als freundlicher Ankeraktionär bezeichnet und erklärt, auch bei möglichen Kapitalerhöhungen mitzuziehen. “Wir haben vollstes Vertrauen in das Management der Deutschen Bank”, erklärte HNA damals. “HNA sieht die Deutsche Bank als sehr attraktives Investment und möchte das Management dabei unterstützen, dass sich die nach wie vor hervorragende DNA und die starke Marke der Bank auch wieder in Gewinn und Aktienkurs widerspiegeln”, so die offizielle Haltung.

Das Verhältnis zwischen HNA und Deutscher Bank galt jedoch schnell als belastet. Lange Zeit hatte der bis April 2018 amtierende Deutsche-Bank-Chef John Cryan ein Treffen mit Adam Tan, dem Vorstandschef von HNA vermieden. In Finanzkreisen heißt es, dass Cryan dem größten Aktionär der Bank die kalte Schulter gezeigt habe, weil er das Engagement der Chinesen für spekulativ hielt. Misstrauisch machte Beobachter etwa die komplizierte Beteiligungsstruktur mit zahlreichen Absicherungsgeschäften.

Der von HNA engagierte österreichische Vermögensverwalter C-Quadrat hatte noch im Februar 2018 erklärt, dass der Mischkonzern weiter zur Frankfurter Großbank stehe: “HNA bleibt ein langfristiger Großinvestor der Deutschen Bank”. C-Quadrat-Gründer Schütz hatte die Deutsche Bank im Handelsblatt-Interview im Dezember 2017 sogar als “Kerninvestment für HNA” bezeichnet.

Diese Einschätzung dürfte spätestens mit dem heutigen Tag als überholt gelten.

 Großaktionär HNA arbeitet offenbar an einem Ausstieg bei der Deutschen Bank. Foto: dpa

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