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Alibaba-Mitgründer

Hartnäckig, humorvoll, allseits beliebt - Jack Ma ist ein Saubermann in jeder Hinsicht

Alibaba-Gründer Jack Ma tritt ab. Seinem Sohn riet er einst, in der Schule nicht zu gut zu sein. Solche Weisheiten will er nun der gesamten der Gesellschaft zurückgeben.

Handelsblatt.com vom 08.09.2018 14:29:01 Uhr

Jack Ma hat jüngst nicht nur ein Duett mit der chinesischen Diva Wang Fei veröffentlicht. Er war auch Hauptdarsteller eines Action-Kurzfilms, in dem er nach und nach acht andere Kung Fu-Meister besiegte. Ab Montag hat der Gründer des chinesischen Onlineriesen Alibaba noch mehr Zeit für seine Hobbies wie Taichi, Singen und vor allem gemeinnützigen Aktivitäten.

Denn an seinem 54. Geburtstag will er vom Posten des Verwaltungsratsvorsitzenden des 420 Milliarden Dollar schweren Internetkonzerns zurücktreten und sich mit seiner Jack Ma Stiftung verstärkt der Bildung und Erziehung von chinesischen Jugendlichen widmen. Das erklärte er selbst im Interview mit der New York Times.

Der Schritt kommt überraschend, aber nicht völlig unangekündigt. Mehrfach hatte der gelernte Englischlehrer Ma in der Vergangenheit betont, irgendwann wieder unterrichten zu wollen. Mit seiner 2014 gegründeten Stiftung will er vor allem das Erziehungswesen und den Zugang zu Bildung im ländlichen China verbessern.

Im Profilfoto seines offiziellen Weibo-Kontos, sozusagen dem Twitter Chinas, steht Ma vor der Aufschrift “Zurück zum Klassenzimmer”. Er selbst bezeichnet sich dort als “Repräsentant für Dorflehrer Jack Ma”.

Sein Privatvermögen wird auf circa 40 Milliarden Dollar geschätzt. Der Machtwechsel bei Alibaba hatte bereits 2013 begonnen, als Daniel Zhang den Posten des Geschäftsführers übernahm, Ma jedoch weiterhin das öffentliche Gesicht des Konzerns blieb. Laut New York Times werde Zhang auch dieses Mal der Nachfolger sein. Ma, so hieß es weiter, werde weiterhin im Vorstand sitzen und als Mentor dem Unternehmen erhalten bleiben.

Ma ist in der chinesischen Bevölkerung wegen seines selbstironischen Humors und seiner Offenheit sehr beliebt. Erst nach vier Jahren schaffte er den Aufnahmetest fürs College. Die Schnellimbiss-Kette KFC stellte 23 der 24 Bewerber ein, nur ihn explizit nicht, erzählte er in der Sendung “Charlie Rose”. Sein Englisch polierte Ma als Touristenführer in seiner Heimatstadt Hangzhou auf, einer Millionenstadt im Osten Chinas, wo Alibaba heute seine Zentrale hat.

Seine Sprachfähigkeiten qualifizierten ihn 1995 als Übersetzer für eine Geschäftsreise in die USA, wo er zum ersten Mal einen Computer sah und das Internet kennenlernte. Überzeugt davon, dass beides die Welt verändern würde, lieh er sich 2000 Dollar von Freunden und Familie und gründete die Webseite “China Pages”, einem Verzeichnis für Geschäfte und Dienstleistungen. Die Ladezeiten erwiesen sich jedoch als Problem: Eine halbe Seite nahm gut und gerne dreieinhalb Stunden in Anspruch. Die Firma ging schnell pleite.

Doch Ma gab nicht auf. Gemeinsam mit Freunden gründete er 1999 Alibaba, benannt nach dem Helden aus 1001 Nacht. Ma war von den Möglichkeiten des Internets überzeugt. Alibaba sollte das Tor werden, das Kleinunternehmer öffnen mussten, um an die “Schätze” des Internets zu kommen. Sicherheitshalber registrierte er auch den Namen AliMama, “für den Fall, dass irgendjemand uns heiraten möchte”, sagte er später.

Aufstieg zum globalen Internetkonzern

Anfangs war Alibaba ein Online-Marktplatz für Unternehmen, die ihre Produkte an andere Firmen verkauften. Nachhaltiger Erfolg kam erst mit der Einführung von Taobao – Händler hatten fortan die Chance, Waren auch direkt an Verbraucher zu vertreiben. Später kam der Online-Bezahldienst Alipay dazu, der als unbestrittener Marktführer seine eigene Erfolgsgeschichte schreibt.

Inzwischen ist Alibaba ein globaler Internetkonzern, der auch im Cloud-Computing, als Fintech und in der Medien- und Filmsparte aktiv ist. Der Jahresumsatz liegt bei umgerechnet etwa 40 Milliarden Dollar. Die Aktie erreichte im Juni ihr Jahreshoch bei 210 Dollar, fiel in der Folge aber deutlich ab und notiert derzeit bei 162 Dollar.

Viele der damaligen Gründungsmitglieder sind heute noch Partner oder in leitenden Positionen mit dabei. Ma hält derzeit einen Anteil von 6,4 Prozent an Alibaba, hat aber aufgrund der komplexen Strukturen einen signifikant größeren Einfluss auf das Unternehmen.

Der 46-jährige Zhang stieg 2007 zuerst als Finanzchef von Taobao bei Alibaba ein. Trotz seines sanftmütigen Auftretens kletterte der Buchhalter aus Shanghai rasant die Unternehmensleiter hoch. Nach seiner Ernennung zum Vorstandschef sagte er, dass Manager für den täglichen Betrieb zuständig seien und messbare Resultate erzielen, Anführer hingegen auch eine Zukunft schaffen müssten. “Das Unternehmen hätte mich nicht gewählt, wenn ich bloß ein Manager wäre”, so Zhang.

Mas Rückzug kommt zu einem Zeitpunkt, in dem die chinesischen Aufsichtsbehörden zunehmend die Digitalindustrie in den Blick nehmen und stärkere Auflagen durchsetzen. Zudem sieht sich China einem verlangsamten Wirtschaftswachstum und einem eskalierenden Handelsstreit mit den USA konfrontiert.

Ein ungewöhnlicher Tipp für den Filius

Erst jüngst hat Ma angekündigt, die Expansion des Cloud-Geschäfts in den USA zurückzufahren. Als Grund nannte er ein zunehmend feindliches Marktumfeld. Gleichzeitig konnte Alibaba jedoch seine Präsenz außerhalb Chinas, vor allem in Indien und Südostasien, stärken.

Zurzeit ist Chinas E-Commerce-Industrie in großer Aufruhr. Erst vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass Liu Qiangdong, der milliardenschwere Gründer des Alibaba-Rivalen JD.com, wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs in Minneapolis festgenommen worden war. Zwar wurde er wenige Stunden später wieder freigelassen und durfte nach Peking zurückkehren, doch die Untersuchungen laufen weiter.

Ma hingegen gilt als Saubermann, der seit den späten Achtzigern mit Zhang Ying verheiratet sei. In einem Interview gab seine Frau einst zu, dass ihr 1992 geborener Sohn Ma Yuankun “ein Opfer” von Alibabas Erfolg war. Die Eltern seien tagsüber nicht daheim gewesen, also hätte sich ihr Sohn nach der Schule die Zeit in Internet-Cafés vertrieben. Erst nachdem Zhang als Geschäftsführerin von Alibaba China zurücktrat, um sich ihm und der neugeborenen Tochter zu widmen, kehrte Besserung ein.

Ma selbst erzählte, er habe seinem Sohn geraten, in der Schule niemals zu den Besten, sondern eher zum Mittelmaß zu gehören. Denn nur solche Schüler hätten in dem stark reglementierten Schulsystems Chinas ausreichend Freizeit, sich um Hobbies zu kümmern und andere Interessen zu entwickeln. “Wir müssen unseren Kindern Einzigartiges und Außergewöhnliches beibringen”, sagte Ma damals. “Nur so haben sie in 30 Jahren eine Chance.” Dafür hat er in Zukunft wieder mehr Zeit.

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