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Erstnotiz mit Kursverlust

Handelsstreit belastet den Börsengang des Smartphone-Konzerns Xiaomi

Der erste Handelstag des Smartphone-Konzerns Xiaomi enttäuschte. Der weltweiten Expansion steht eine dünne Ertragsspanne gegenüber.

Handelsblatt.com vom 09.07.2018 18:17:27 Uhr

Nervös wirkte der Xiaomi-Gründer und -Chef Lei Jun schon, als er am Montag auf die Bühne der Börse Hongkong ging. Er lächelte tapfer in einen Raum mit rund 300 Journalisten, Fans und Tradern und gab zu, “tausendprozentig aufgeregt” zu sein. Er räumte ein, der Handelskrieg zwischen China und den USA habe den Börsengang erschwert. “Gute Unternehmen setzen sich dennoch durch”, sagte er unter dem Applaus der Anwesenden.

Lei bedankte sich bei Investoren wie Li Ka-shing von CK Hutchinson und Jack Ma Yun von Alibaba. Zu den fünf Ankerinvestoren, die insgesamt Aktien im Wert von 548 Millionen Dollar erwarben, gehören unter anderem der chinesische Netzwerkbetreiber China Mobile und der amerikanische Chiphersteller Qualcomm.

Aber der Anfang erwies sich als schwer. Obwohl der Hang-Seng-Index in Hongkong morgens gleich um 1,3 Prozent zulegte, eröffnete Xiaomi mit einem Kursverlust von 2,4 Prozent bei 16,60 Hongkong-Dollar (2,11 US-Dollar). Die Aktie schloss mit 16,80 geringfügig höher, aber unter dem ohnehin niedrig angesetzten Emissionskurs von 17 HK-Dollar.

Die Marktkapitalisierung beträgt so 54,3 Milliarden Dollar, und die Kapitalaufnahme beschränkt sich auf rund 3,1 Milliarden Dollar. Die Werte liegen damit weit unter den Erwartungen.

Apple auf Chinesisch

Xiaomi, was auf Chinesisch Hirse bedeutet, wurde vor acht Jahren von Lei, einem studierten Computerwissenschaftler, in Peking gegründet. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 15.000 Mitarbeiter, ist in 74 Ländern vertreten und der viertgrößte Smartphone-Hersteller der Welt mit einem globalen Marktanteil von 8,4 Prozent.

Aufgrund seines weißen, sauberen Designs wird Xiaomi von einigen Beobachtern auch das das “chinesische Apple” genannt. Ähnlich wie die US-Marke besitzt es ein eigenes Tech-Ökosystem. Anders als Apple stellt Xiaomi neben PCs, Laptops und Mobiltelefonen aber auch Haushaltswaren wie Kissen, Reiskocher und Luftfilter her.

Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Marken, findet Jia Mo Jia, Smartphone-Experte bei der Marktforschungsfirma Canalys, sind die Zielgruppen. “70 Prozent der mehr als 300 Millionen Xiaomi-Kunden”, erklärt er, “haben keine starke Kaufkraft.” Während Apple den Premiumsektor abdeckt, vertreibt Xiaomi hauptsächlich eine preiswerte Serie namens Redmi mit 100 bis 200 Dollar je Gerät. Mobiltelefone der sogenannten Mi-Serie sind für 600 Dollar aufwärts zu haben.

Analysten weisen auf Xiaomis geringe Profitspanne hin. Jia Mo glaubt trotzdem, dass die niedrigen Werte Xiaomi zum Vorteil gereichen. “So sind die Aussichten, dass die Aktie zulegt, relativ gut”, glaubt er.

Laut Prospekt hat Xiaomi vor, 40 Prozent der Einnahmen aus dem Börsengang für die globale Expansion einzusetzen. Bis 2019 will Xiaomi weltweit 2 000 Läden betreiben, von denen nur rund die Hälfte in China sind. Besonders in Indien, dem zweitgrößten Smartphone-Markt der Welt, hat das Unternehmen einen Erfolg verbuchen können. Im vierten Quartal 2017 überholte Xiaomi den bisherigen Marktführer Samsung und besetzt nun rund 31 Prozent des Smartphone-Marktes.

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