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Kolumne: Sieren Süß-Sauer

Genug ist genug

Wie immer die Midterm-Wahlen in den USA ausgehen, die Chancen sind danach größer denn je, dass Trump im Handelsstreit einlenkt, sagt Frank Sieren.

Die Initiative für das Telefongespräch vergangene Woche zwischen dem amerikanischen und dem chinesischen Präsidenten ging von Trump aus. Erstaunlich. Denn der Wahlkampf ist eigentlich die Zeit, um besonders große Töne zu spucken und auf Konfrontationskurs zu gehen. Das hat Trump ja auch gemacht: Er könne auf alle chinesischen Produkte Zölle legen, wenn es sein müsse. Kurz darauf bezeichnete er das Gespräch mit Xi jedoch als „lang und konstruktiv“ und stellte sogar einen Deal in Aussicht – möglicherweise Ende November auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires.

Trump will sich also im Wahlkampf als einer präsentieren, der hart in der Sache ist, aber mit den Wichtigen der Welt gut auskommt. Gleichzeitig weiß Trump, dass sein Spiel immer riskanter wird. Die Nachteile seiner Politik werden eher früher denn später in der Bevölkerung zu spüren sein – spätestens, wenn die ersten Made-in-China-Produkte bei Walmart teurer werden. Die Lobbyisten von Boeing, Apple und Starbucks warnen Washington immer deutlicher vor den Risiken für amerikanische Firmen. Denn die Folgen des Handelskrieges zeichnen sich immer deutlicher ab und Peking bleibt nicht endlos geduldig. Im Oktober stagnierte der Produktionssektor. Der Purchasing Managers Index (PMI) fiel auf 50,2 von 50,8 im September – der niedrigste Wert seit Juli 2016. Und die Zentralbank hat bereits die vierte Senkung der Reserve Requirement Ratio (RRR) verkündet. Steuersenkungen für Autos sind avisiert.

Gleichzeitig hat Peking elegant deutlich gemacht, dass es Trump nicht hilflos ausgeliefert ist. Seit April haben die Chinesen über 22 Milliarden an US-Bonds auf den Markt geworfen. Das ist spürbar, aber nicht so stark, dass große Unruhe entsteht. Durch Zinserhöhungen in den USA hatte der Yuan bereits in den vergangenen Monaten an Wert verloren. Die chinesische Notenbank hatte entschieden, die Landeswährung unter die Schwelle von 6,90 zum Dollar fallen zu lassen. Anders als Trump mit ZTE hat sich Xi allerdings noch keine amerikanischen Firmen vorgeknöpft. An solchen Sanktionen kann Trump kein Interesse haben. Das würde zu viel Porzellan zerschlagen.

Hinzu kommt: Mittelfristig wird der Einfluss Washingtons über den Handelshebel auf China stetig geringer. Lag das Verhältnis Handel zu BIP vor zehn Jahren noch bei 37 Prozent, sind es jetzt nur noch 18 Prozent. Da der Anteil noch immer höher ist als der in den USA oder Japan, gibt es noch Spielraum. Gleichzeitig ist China dabei, den Anteil der USA an den weltweiten Handelsgeschäften zu verringern, indem es den Handel mit Asien und Afrika stark ausbaut. Schon jetzt liegt er knapp unter zwanzig Prozent. China wird zudem nach dem US-Angriff auf ZTE nun alles tun, um seine technologische Abhängigkeit von den USA zu verringern.

Sollte sich nach den Wahlen am Mittwochmorgen deutscher Zeit herausstellen, dass Trump Federn lassen musste, wird sein Spielraum gegenüber China geringer werden. Gewinnt er, muss er sich nicht auf ein gefährliches Spiel mit China einlassen. So oder so ist also die Zeit reif für einen Deal.
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