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Daniel Zhang

Dieser Mann tritt bei Alibaba das Erbe von Jack Ma an

Alibaba ist ein Gigant im Onlinehandel, der Konzern mehr als 400 Milliarden Dollar wert. Der künftige Verwaltungsratschef will mehr sein als ein Manager.

Handelsblatt.com vom 10.09.2018 13:16:03 Uhr

Wer “Abenteuerlust” verspüre und “künftig seinen Enkeln von seiner Arbeit erzählen möchte”, so Zhang Yong, den stelle er gerne ein. Wer aber nur ein sicheres Gehalt und Stabilität wolle, solle bloß nicht bei dem chinesischen Handels- und Unterhaltungsriesen Alibaba anfangen.

Dem 46-jährigen Geschäftsführer, den viele im Ausland als Daniel Zhang kennen, steht jetzt selbst wieder ein großes Abenteuer bevor. Denn ab dem 10. September 2019 soll er den Vorsitz im Verwaltungsrat des Online-Riesen vom charismatischen Visionär und Konzerngründer Jack Ma übernehmen. Das sei, so sagte Ma in einem Interview mit der “New York Times”, “nicht das Ende, sondern der Beginn einer Ära”.

Damit wird offiziell, was sich in der Praxis schon seit langem abgezeichnet hat. Ma hat in den letzten Monaten immer wieder verlauten lassen, dass er sich weiter aus dem Unternehmen zurückziehen wolle und stattdessen mehr Zeit auf gemeinnützige Aktivitäten wie seine Stiftung widmen will.

In der Zwischenzeit hat ein Management-Kollektiv das tägliche Geschäft übernommen: Der 2013 zum CEO ernannte Zhang ist für die Führung des gesamten Unternehmens zuständig, Maggie Wu die Finanzchefin und Vize-Vorstandschef Joe Tsai verantwortet Alibabas Investitionen wie die Logistikfirma Cainiao oder den südostasiatischen Online-Einzelhändler Lazada.

“Auf der Autobahn den Motor gewechselt”

Der gebürtige Schanghaier Zhang studierte an der Shanghai University of Finance and Economics und arbeitete danach bei der Unternehmensberatung PwC und dem Online-Gaming Unternehmen Shanda. 2007 stieg er als Finanzchef bei der Alibaba-Tochter Taobao ein, weil seine Frau, wie er einst scherzte, ein Fan der Online-Einzelhandelsplattform sei. Danach stieg Zhang, der in Konferenzen mit bohrenden Fragen Problemen gerne auf den Grund geht, unentwegt die Karriereleiter hoch.

In chinesischen Medien wird er als Manager charakterisiert, der “auf der Autobahn die Motoren gewechselt und einen Traktor durch eine Boeing 747 ersetzt” habe. Unter seiner Leitung wurde die Online-Handelsplattform zu einem Digitalunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 420 Milliarden Dollar, das neben dem E-Commerce auch im Cloud-Computing, Fintech und Unterhaltung aktiv ist, Millionen von Verbrauchern bedient und die Zukunft der Wirtschaft, vor allem für kleine und mittelständische Firmen, verändert und geprägt hat.

Zu Zhangs Erfolgen gehört unter anderem die Schaffung des Singles” Day am 11. November, wenn China alljährlich dank Alibabas Rabatten in einen Kaufrausch verfällt und sämtliche Einzelhandelsrekorde bricht. Während 2009 nur 7 Millionen Dollar umgesetzt wurden, kam Alibaba im vergangenen Jahr auf einen Tageserlös von 25 Milliarden Dollar.

Zuletzt verantwortete er die Integration von Filial- und Online-Einzelhandel, wie zum Beispiel im Falle des Supermarkts Hema. Dort können Kunden frische Ware einkaufen, sie sich vor Ort zubereiten lassen oder aber auch online bestellen.

In seinem Brief an die Mitarbeiter begründete Ma die Zhangs Ernennung mit folgendem Lob: “Sein analytischer Verstand ist beispiellos. Er verfechtet unsere Mission und Vision, nimmt Verantwortung mit Leidenschaft an, hat Mut zur Innovation und testet gerne kreative Geschäftsmodelle.”

Bewährungsprobe für den “sorglosen Wanderer”

Wie bei Alibaba üblich, besitzt auch Zhang einen aus chinesischen Kampfkunst-Romanen entliehenen Spitznamen, mit dem ihn die Mitarbeiter anreden und der sogar auf Pressemitteilungen und Visitenkarten steht. Seiner ist Xiayaozi und heißt übersetzt “sorgloser Wanderer”.

Sonst dringt wenig Privates über den sanftmütig auftretenden Zhang nach außen. Privat schaut der Fan von Arsenal London am Wochenende gerne die Premiere League. Diese Jahr hat er aber noch keine Zeit gefunden, ein Spiel des konzerneigenen Teams “Guangzhou Evergrande Taobao FC” zu unterstützten – obwohl sie derzeit auf Platz drei der chinesischen Liga stehen.

Nach seiner Ernennung zum CEO sagte Zhang, dass Manager für den täglichen Betrieb zuständig seien und messbare Resultate erzielen sollten, während Geschäftsführer auch eine Zukunft schaffen müssten. “Das Unternehmen hätte mich nicht gewählt, wenn ich bloß ein Manager wäre”, so Zhang.

Nun liegt die nächste Bewährungsprobe vor dem “sorglosen Wanderer”. Mit Jack Ma als Vorgänger liegt die Messlatte denkbar hoch.

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