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Industrie und Handel

Deutsche Wirtschaft ringt um richtigen Umgang mit China

Der DIHK betont die Chancen eines Engagements in China. Damit positionieren sich die Kammern gegen den BDI - der Verband warnt vor Abhängigkeiten.

Handelsblatt.com vom 02.12.2018 20:09:54 Uhr

Die deutsche Wirtschaft ist bei der Frage nach dem richtigen Umgang mit China zunehmend gespalten. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte jüngst in einem bisher unveröffentlichten Papier deutschen Unternehmen dazu geraten, ihre bestehenden Abhängigkeiten von China zu überprüfen. Dem setzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nun eine eigene Empfehlung entgegen – mit deutlich positiverem Blick auf China.

In einer E-Mail an alle IHK-Hauptgeschäftsführer und die Geschäftsführer der Außenhandelskammern äußern DIHK-Präsident Eric Schweitzer und DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier ihre Sorge, dass die deutsche Wirtschaft in dem Handelsstreit zwischen Washington und Peking zerrieben wird. Die E-Mail liegt dem Handelsblatt vor.

Angehängt ist ein umfassender Aktionsplan, in dem in sieben Punkten aufgelistet ist, wo der DIHK Chancen in der Zusammenarbeit mit China sieht. “Angesichts des gestiegenen Selbstbewusstseins Chinas und des aktuellen Handelskonflikts zwischen China und den USA wird die deutsche Wirtschaft zunehmend in Richtung zu einer – Entweder USA oder China”-Entscheidung gedrängt”, heißt es darin.

“Der DIHK plädiert für ein nachdrückliches – Sowohl-als-auch”.” Es gelte, die Chancen, die in Chinas weiterer wirtschaftlicher Entwicklung liegen, im Interesse der deutschen Wirtschaft zu ergreifen – ohne die Herausforderungen außer Acht zu lassen. “Wir werben dafür, vorhandene Kontakte zu vertiefen und zu nutzen.” Das Augenmerk in der Arbeit der Kammerorganisation soll zukünftig noch stärker auf Potenziale in und mit China gelenkt werden.

Die Bundesregierung steht vor einem ähnlichen Dilemma wie die Wirtschaft. Washington und Peking versuchen, in ihrem Handelskonflikt die EU jeweils auf ihre Seite zu ziehen. Und während Berlin manche Kritik an Chinas Wirtschaftspolitik teilt, will man das Land nicht zu sehr verärgern.

China ist inzwischen der größte Handelspartner von Deutschland. Laut Angaben des DIHK haben 5.200 deutsche Unternehmen eigene Produktionsstätten oder einen Vertrieb vor Ort. Vor allem für die Autobranche ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ein sehr wichtiger Absatzmarkt.

Die Entwicklungen führen aber auch zu immer größeren Abhängigkeiten deutscher Firmen, die auch in Teilen der Bundesregierung kritisch betrachtet werden. Ende Oktober war ein Papier des BDI durch einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters öffentlich geworden. Es gehe darum, bestehende Abhängigkeit gegebenenfalls durch eine Diversifizierung von Lieferketten, Produktionsstandorten und Absatzmärkten zu minimieren, wird aus dem Papier mit Blick auf China zitiert.

Viele Unternehmen stehen in der Tat vor einem Dilemma: Niemand will sich den riesigen Wachstumsmarkt entgehen lassen, gleichzeitig herrschen aber in vielen Bereichen immer noch nicht die gleichen Bedingungen für ausländische Unternehmen. In den vergangenen Monaten irritierte Peking zudem die deutsche Wirtschaft vor Ort unter anderem mit neuen Cybersicherheitsregeln, die von vielen als möglicher Zwang zum Datentransfer interpretiert wurden.

Der DIHK äußert in seinem insgesamt acht Seiten umfassenden Papier zwar auch umfassend Kritik. So sei Gleichbehandlung bei Investitionen in China nicht gegeben, positiven Entwicklungen bei der Marktöffnung in manchen Bereichen stünden regulatorische Hürden in für die deutsche Wirtschaft bedeutsamen Technologien entgegen.

Kooperation vor allem bei Innovation

Auch nach 40 Jahren Reform- und Öffnungspolitik existiert aus Sicht der deutschen Unternehmen in China weiterhin eine Reihe von Hindernissen im Bereich der Marktöffnung. Das Adressieren dieser “Herausforderungen” dürfe aber “keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass China für die Vielzahl der deutschen Unternehmen der wichtigste Wachstumsmarkt bleiben wird”, betont der DIHK. Es sei “elementar”, öffentlichkeitswirksam immer wieder auch die Chancen in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit zu betonen.

In dem Papier beschreibt der DIHK detailliert, wie eine Zusammenarbeit im Bereich Innovationen oder auf Drittmärkten aussehen könnte. Er will eine Roadshow in Deutschland veranstalten, bei der deutschen Unternehmen “die Chancen in der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit beim Thema Innovation” aufgezeigt werden. Die chinesische Regierung dürfte das Engagement freuen. Die Kooperation in dem Bereich ist ihr ein wichtiges Anliegen.

Der DIHK geht auch darauf ein, wie eine Zusammenarbeit mit China in umstrittenen Bereichen aussehen könnte. Beispiel Seidenstraße: Die Bundesregierung und Teile der Wirtschaft sehen das Projekt kritisch, etwa weil Ausschreibungen nicht transparent sind. Der DIHK bewertet es positiv. Das Projekt sei “eine groß angelegte wirtschaftliche, geopolitische und diplomatische Initiative Chinas, von der deutsche Unternehmen mit ihrem Know-how und ihrer internationalen Erfahrung profitieren können”, heißt es in dem Papier.

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