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Kolumne der Woche

Der Afrikaboom

China hat mit seinen neuerlichen Milliarden-Investitionen Afrika endgültig auf seine Seite gezogen, meint Frank Sieren.

China will in den kommenden drei Jahren noch mal 60 Milliarden US-Dollar in Afrika investieren. Eine Summe in gleicher Höhe hatte China den Afrikanern bereits vor drei Jahren zum vergangenen China-Afrika-Gipfel als Gastgeschenk mit nach Johannesburg gebracht. In Europa nörgelt man derweil, dass China „nur“ das Gleiche investiert wie damals. Das kann jedoch nicht mehr davon ablenken, dass Europa bei diesem Thema rundum versagt hat und kaum noch ins Spiel kommen wird.

Seit neun Jahren schon hat China sowohl die USA als auch die alte Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner der Afrikaner hinter sich gelassen. Niemand investiert mehr in Afrikas Infrastruktur als China. Bei dem großen China-Afrika-Gipfel in Peking vergangene Woche wurde klar, dass dieser Trend anhalten wird. „Wir begrüßen Afrika im Expresszug der chinesischen Entwicklung“, sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping vor etwa 50 Staats- und Regierungschefs aus afrikanischen Staaten in Pekings Großer Halle des Volkes.

Die neue Finanzspritze unterstreicht, wie weit oben Afrika auf der Prioritätenliste Pekings steht und wie weitblickend die Chinesen sind. Denn natürlich geht es auch um chinesische Interessen. Schon seit vielen Jahren baut China Rohstoffe in Afrika ab. Doch wichtiger noch für Peking ist der große Absatzmarkt, der durch die wachsende afrikanische Mittelschicht immer mehr in den Fokus rückt. Aber auch als Produktionsstandort wird Afrika immer wichtiger. Chinesische Firmen bauen dazu nun im großen Stil die Leichtindustrie auf. Hieß es ganz früher „Made in Hongkong”, dann „Made in China”, werden wir uns nun zum Beispiel an „Made in Ethiopia” gewöhnen müssen.

Der Afrikaboom hat seinen Höhepunkt noch längst nicht erreicht. Aber weil wir ihn immer noch nicht so richtig auf dem Schirm haben, weil wir bestimmte Klischees nicht aus dem Kopf bekommen, die in den Medien immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt werden und weil wir so Opfer unserer eigenen Vorurteile sind, drohen wir eine Entwicklung zu verpassen, die für Deutschland sehr wichtig ist. Denn trotz des leichten Wachstumsrückgangs urbanisiert sich Afrika schneller als jede andere Weltregion. Es ist sogar möglich, dass in Afrika schon 2035 mehr Menschen in Städten leben werden als in China. Die schwierigen Zeiten nach der Unabhängigkeit, begleitet von Bürgerkriegen, in denen rivalisierende Clans um die Vorherrschaft kämpften, sind – bis auf wenige Ausnahmen – längst abgeschlossen.
Es mag ein glücklicher Zufall gewesen sein, dass China just in dem Moment auf den Plan trat, als es für die Länder Afrikas Zeit wurde, sich zu modernisieren. Den Regierungen und Potentaten ist schnell klar geworden, dass sie nur an der Macht bleiben können, wenn sie Wohlstand für ihre Bürger schaffen. Da kam China wie gerufen.

Es bleibt eine grobe Fahrlässigkeit des Westens, Afrika so lange ignoriert zu haben. Erst langsam wachen wir auf. Nun liegt die Entscheidung bei den Regierungschefs Afrikas, mit wem sie kooperieren wollen. Sie können mit dem Westen zusammenarbeiten, der nicht nur investieren, sondern auch belehren will, oder sie können mit den Chinesen gehen. Es ehrt uns im Westen, dass wir die Demokratie und die Lage der Menschenrechte stärken und der Korruption keine Chance geben wollen. Das Problem ist nur: Niemand in Afrika ist mehr gezwungen, unsere – bislang ohnehin dürftigen – Angebote anzunehmen, geschweige denn, uns zuzuhören. Am Ende ist es doch so: Zwei souveräne Partner, China und Afrika, unterschreiben einen Vertrag. Weder die Afrikaner noch die Chinesen müssen sich hierfür eine Erlaubnis einholen. Das mag man bedauern, es zeigt aber auch die Verschiebung der Machtverhältnisse. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Chance größer denn je, dass Afrika ein verlässlich prosperierender Kontinent wird. Die große Überraschung dieser Entwicklung: Der Westen ist der große Verlierer.
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