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MSCI Emerging Markets

Chinesische Aktien sollen im Schwellenländerindex womöglich ein stärkeres Gewicht bekommen

Der Finanzdienstleister MSCI will den Anteil chinesischer Festlandaktien in seinem Emerging-Markets-Index womöglich erhöhen. Das könnte die gebeutelte Börse stützen.

Handelsblatt.com vom 26.09.2018 17:23:25 Uhr

Die Aktienwelt in China ist kompliziert. Der chinesische Inlandsmarkt ist mit umgerechnet fast sieben Milliarden US-Dollar einer der größten Aktienmärkte der Welt, doch international spielt er kaum eine Rolle.

Das liegt daran, dass die chinesischen Festlandaktien, die an den Börsen in Schanghai und Shenzen in der Landeswährung Yuan notieren, erst seit gut vier Jahren von Nicht-chinesischen Investoren gekauft werden können – und das auch nur von lizensierten institutionellen Anlegern wie Fonds, die ein Konto bei der Plattform Stock Connect haben. China öffnet sich erst schrittweise dem Kapitalmarkt.

Vor knapp vier Monaten immerhin hat der Indexanbieter MSCI die Festlandaktien, die auch A-Aktien genannt werden, in den Schwellenländeraktienindex MSCI Emerging Markets aufgenommen. Es ist einer der wichtigsten Indizes für Emerging Markets, an dem sich Fonds mit einem Wert von knapp zwei Billionen Dollar orientieren. Jetzt aber präsentiert MSCI institutionellen Investoren Vorschläge, wonach das Gewicht der A-Aktien im Index deutlich erhöht werden soll.

Bislang machen die Papiere nur knapp fünf Prozent der Marktkapitalisierung des MSCI Emerging Markets aus, bis Mai 2020 könnte dieser Anteil auf 20 Prozent steigen. Dabei sollen auch mittelgroße und Technologiewerte aufgenommen werden. Das ist ein überraschender Schritt.

MSCI begründete den Vorstoß mit dem “überwältigenden positiven Feedback” von Investoren nach der Aufnahme der genannten chinesischen Festlandaktien in den Index im Juni. Seither hätten institutionelle Investoren mehr als 4.600 neue Konten auf der Plattform Stock Connect eröffnet, um A-Aktien zu handeln. Damit gibt es jetzt knapp 6.400 Konten, auf denen institutionelle lizensierte Investoren Aktien im Wert von 665 Milliarden Yuan (96,8 Milliarden Dollar) halten.

Geholfen hat der Zufluss dem chinesischen Aktienmarkt aber bislang nicht. Seit Mitte Januar ist der Index CSI 300, der die wichtigsten Festlandaktien an den Börsen in Schanghai und Shenzen abbildet, um 22 Prozent abgestürzt. Dabei belasten vor allem Ängste vor einem Handelskrieg zwischen den USA und China die chinesische Börse.

China leidet unter dem Handelsstreit mit immer neuen gegenseitigen Strafzöllen mehr als die USA, weil die Volksrepublik deutlich mehr in die Vereinigten Staaten exportiert als umgekehrt. Aber auch die steigende Verschuldung chinesischer Unternehmen beunruhigt Anleger.

Das höhere Gewicht in den MSCI Emerging Markets dürfte aber nach Schätzungen des Indexanbieters rund 80 Milliarden Dollar von aktiven Aktienfonds und passiven Indexfonds in die A-Aktien fließen lassen. Das könnte die gebeutelten chinesischen Aktien stützen. Nach der MSCI-Ankündigung stieg der CSI 300 um immerhin gut ein Prozent. Ob die Gewichtung der Festlandaktien im Schwellenländer-Index tatsächlich erhöht wird, will MSCI Ende Februar kommenden Jahres entscheiden.

Zu den bekannten A-Aktien gehören der Immobiliengigant China Vanke, der Ölriese Petro-China und die beiden größten Kreditinstitute Industrial and Commercial Bank of China und die China Construction Bank. Privatanleger können die Aktien zum Teil über Broker kaufen, besser empfiehlt sich jedoch die Anlage in Fonds. Allerdings hat laut Fondsanalysehaus Scope in diesem Jahr keiner der 16 in Deutschland zugelassenen Fonds für chinesische A-Aktien ein Plus gemacht.

Wichtiger als die A-Aktien sind international die chinesischen H-Aktien. Sie werden an der Börse in Hongkong gelistet und sind in Hongkong-Dollar notiert. Diese Aktien dürfen nur nicht-chinesische Investoren kaufen. Die ehemalige britische Kronkolonie Hongkong wurde vor 20 Jahren an China zurückgegeben, gehört als Sonderverwaltungszone aber nicht zu Festlandchina.

Der entsprechende Hang-Seng-Index ist seit Mitte Januar um 16 Prozent eingebrochen. Daneben gibt es noch B-Aktien, die in US- oder Hongkong-Dollar notiert sind und an den Festlandsbörsen gehandelt werden. Diese Aktien dürfen in- und ausländische Anleger kaufen, sie sind allerdings wenig liquide.

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