ChinaCircle-Logo ChinaCircle-Logo
Geldanlage

Chinesische Aktien sind etwas für Mutige - werden aber immer beliebter

Der Handelsstreit drückt auf die Kurse chinesischer Aktien. Fonds greifen dennoch zu und bieten Anlegern so Zugang zu dem immer wichtigeren Markt.

Handelsblatt.com vom 07.08.2018 19:56:33 Uhr

Es gleicht einem Pingpongspiel: Donald Trump droht mit höheren Zöllen auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar. Die Parteizeitung “People”s Daily” aus Fernost schlägt den Ball zurück, bezichtigt den US-Präsidenten, eine Hauptrolle in einem “Straßenkampfdrama” der Erpressung und Einschüchterung zu spielen. Peking spricht über mögliche Zölle auf US-Importe etwa für Flüssiggas.

Zum Handelsstreit hinzu kommen schwächere Wirtschaftsdaten – kein Wunder, dass die chinesischen Festlandaktien leiden. Allein in den vergangenen fünf Tagen haben sie – A-Aktien genannt – am Leitindex CSI 300 gemessen mehr als vier Prozent verloren, in diesem Jahr schon über 16 Prozent. Und es kann noch weiter runtergehen, fürchten Analysten. Große Investoren erkennen jedoch wieder Kurschancen und kaufen: für mutige Investoren ein Signal, denn grundsätzlich wird der riesige Markt spannender.

Die Meinungen der Experten sind geteilt, die Vorsichtigen zögern noch. Angesichts der Verunsicherung durch den Handelskonflikt hält Christian Kahler, Aktienanalyst der DZ Bank, den chinesischen Aktienmarkt für “derzeit noch nicht attraktiv genug für einen Einstieg”. Trump werde seine scharfe Rhetorik bis zu den US-Kongresswahlen im November beibehalten, befürchtet er.

Mit Blick auf die kommenden Monate rät er aber, die aktuell “schlechte Investorenstimmung” von dem tatsächlichen Einfluss des Handelskriegs auf die Aktien zu unterscheiden. “Die Abhängigkeit der 300 Firmen im CSI-300-Index vom US-Geschäft ist sehr gering”, sagt der Analyst.

Die zehn größten Titel im CSI 300, die ein Viertel der Indexkapitalisierung ausmachten, erzielten weniger als fünf Prozent ihrer Umsätze außerhalb Chinas. Das sei auch das Ergebnis einer stärkeren Ausrichtung der Wirtschaft auf das Inland und der Diversifikation von Handelspartnern. Außerdem mache der schwächere Yuan Exporte günstiger, und Peking habe ein Programm zur Stützung der Konjunktur aufgelegt. Es gibt also auch eine Menge Pluspunkte für China-Aktien.

Hohes Wachstum für bestimmte Firmen

Nikolaos Panigirtzoglou von der US-Bank JP Morgan sieht ebenfalls den Markt zunächst weiter unter Druck, vor allem durch chinesische Großanleger. Ihre Nachfrage nach Derivaten auf den CSI-300-Index dokumentiere aber “klares Interesse” an einem späteren Einstieg. Zudem investierten immer mehr ausländische Investoren in Chinas Festlandaktien, schreibt der Experte. Darauf verweist auch der internationale Bankenverband IIF. Er schätzt, dass internationale Anleger in diesem Jahr mit gut 41 Milliarden US-Dollar bereits knapp dreimal so viel Kapital in chinesische Aktien gesteckt haben wie ein Jahr zuvor.

Einige Fondsmanager greifen in der Tat zu. “Viele A-Aktien sind unfair abgestraft”, meint Anthony Wong von Allianz Global Investors. Weil die meist kurzfristig denkenden heimischen Anleger für 80 Prozent des Umsatzes mit A-Aktien stehen, schlagen die Aktienkurse seiner Meinung nach übertrieben aus. Wong kauft daher nach. Auch Raymond Ma, Fondsmanager bei Fidelity, sieht “gute Einstiegschancen” bei A-Aktien.

Das höchste Wachstum traut er Firmen aus den Sektoren Konsumgüter, Gesundheit, Versicherungen, IT und Onlinehandel zu, etwa dem Getränkehersteller Kweichow Moutai. Auch der führende Dienstleister für Augenpflege, die Aier Eye Hospital Group, und das Pharmaunternehmen Jinagsu Hengrui Medicine gefallen ihm, ebenso die Versicherer China Pacific und China Life Insurance. A-Aktien seien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut elf bezogen auf die erwarteten Gewinne für 2018 günstiger als die Aktien chinesischer Firmen an der Börse Hongkong, sagt Wong.

Kaum Research zu A-Aktien

Grundsätzlich rücken chinesische Aktien immer stärker in den Blick der Anleger. Seit einigen Jahren erlaubt die Regierung in Peking ausländischen Investoren zwar schon, über Hongkong A-Aktien in China zu kaufen. Mehr als 1.400 dieser Papiere an den Börsen Schanghai und Shenzhen sind für Ausländer kaufbar, erklärt Martin Fechtner, Analyst beim Fondsratinghaus Scope Analysis.

Breitere Aufmerksamkeit bekommt der Markt, seit der Indexanbieter MSCI Anfang Juni A-Aktien in seine Indizes aufgenommen hat. Fondsmanager orientieren sich an diesen Börsenmesslatten, die passiven ETFs (börsengehandelte Fonds) bilden die Indizes nach.

Jetzt machen die A-Aktien zwar im wichtigen Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets weniger als ein Prozent aus. Doch der Anteil werde – gemessen an den heutigen Börsenwerten – bis auf 16 Prozent steigen, wie Fechtner sagt. Wenn Peking seinen Kapitalmarkt weiter liberalisiere, könne das Gewicht der Inlandsaktien die Wirtschaftskraft der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt widerspiegeln – und auf über 40 Prozent zulegen.

Private Anleger können über verschiedene Wege A-Aktien kaufen. Einzelne Aktien bekommen sie über Broker-Plattformen, mit deren Hilfe sie über ein Konto in Hongkong an den Festlandbörsen handeln. Hiesige Banken bieten dies kaum an. Sie raten Privaten zu Fonds und ETFs, auch weil sie ihr Kapital dann automatisch in verschiedene Aktien anlegen und damit Verlustrisiken verteilen. Fechtner von Scope betont, dass es bisher schwierig sei, sich zu informieren: “Aktienresearch gibt es kaum – und wenn, meist in Mandarin.”

Interessant sind A-Aktien aus seiner Sicht aus mehreren Gründen: Da diese bisher wenig in internationalen Indizes vertreten sind, können Anleger mit ihrem Geld auf wenig ausgetretenen Pfaden wandeln. Sie erhalten Zugang zu chinesischen Sektoren wie Industrie oder Konsum, die unter etablierteren Hongkonger H-Aktien nicht gelistet sind. Weil bisher vor allem chinesische Privatanleger A-Aktien kaufen, gilt der Markt als relativ ineffizient.

Damit begründet Fechtner das gute Abschneiden aktiver Fonds in dem Segment. So ergibt eine Analyse von Scope, die dem Handelsblatt vorliegt, dass alle aktiv, also von Fondsmanagerhand gesteuerten Produkte in den vergangenen drei Jahren besser abgeschnitten haben als ETFs. Zum Vergleich: In reiferen Märkten wie dem US-Aktienmarkt schlägt längerfristig kaum ein aktiver Fonds seine Vergleichsindizes und damit ETFs.

Während die besten aktiven A-Aktienfonds bis zu 5,8 Prozent Rendite jährlich erzielt haben, verloren die passiven ETFs teils zweistellig pro Jahr. Am besten schneidet der Fonds “Aberdeen Global China A Share Equity” der Tochter des britischen Versicherers Standard Life ab (Tabelle). Interessant: In etablierteren Fondskategorien wie “Aktien China”, die Papiere aus Hongkong einschließt, hält nur eine Minderheit mit ETFs mit. Es bleibt also abzuwarten, wie sich die aktiven A-Aktienfonds mit zunehmender Marktreife behaupten.

Vorsicht! Sie nutzen einen alten Browser!
Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser um diese Seite anzuzeigen.