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Daimler, VW, BMW

China wird für die deutschen Autobauer von der Gewinnmaschine zur Gefahr

Daimler, VW und BMW sind enorm abhängig von den Entwicklungen in China. Das könnte sich nun rächen - der größte Automarkt der Welt gerät ins Stottern.

Handelsblatt.com vom 28.11.2018 18:00:00 Uhr

An seinem Lernprogramm hält Hubertus Troska auch auf Reisen eisern fest. Bis zu neun Stunden pro Woche paukt der Daimler-Manager Mandarin – entweder mit Trainer von Angesicht zu Angesicht oder via Tonaufnahmen und Videochats. Auch an diesem Morgen war der Daimler-Vorstand, der beim schwäbischen Autokonzern das Ressort “Greater China” leitet und gerade in Stuttgart weilt, wieder fleißig.

Für den 58-Jährigen ist die Erweiterung seines Chinesisch-Wortschatzes einerseits Ausdruck des Respekts gegenüber den Partnern in der Volksrepublik, andererseits untermauert er damit seinen festen Glauben an die langfristige Stärke des fernöstlichen Automarktes.

“Wir sind weiter absolut positiv, was die Entwicklung in China angeht”, betonte Troska am Mittwoch. Daimler wird mit seiner Kernmarke Mercedes-Benz bis Ende November mehr als 600 000 Fahrzeuge in Fernost verkauft haben – mehr als jemals zuvor. Gleichzeitig “normalisiert” sich der größte Automarkt der Welt, wie Troska es nennt.

Soll heißen: Auch bei den Kunden in Fernost sitzt das Geld nicht mehr ganz so locker. In den ersten zehn Geschäftsmonaten sind die Neuwagenverkäufe zurückgegangen. Von Anfang Januar bis Ende Oktober wurden in China nur noch 18,4 Millionen Pkws abgesetzt. Das ist ein Minus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Erstmals seit dem Jahr 1990 droht der wichtigste Absatzmarkt der deutschen Fahrzeughersteller in diesem Jahr zu schrumpfen.

Während Massenhersteller wie Volkswagen in China bereits mit einem Absatzschwund kämpfen, ist Troska noch zuversichtlich, sich vom allgemeinen Trend abkoppeln zu können. Das Premiumgeschäft sei weiterhin eine “sichere Wette”, versichert der Daimler-Manager.

Experten sind da skeptischer. “Der Einbruch in China wird mit einer zeitlichen Verzögerung auch die Premiumhersteller treffen”, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

Hohe Abhängigkeit

Erste Effekte seien bereits erkennbar. So weist Daimler in China zwar im ersten Halbjahr prozentual zweistellige Wachstumsraten auf, in den vergangenen vier Monaten ging es aber auf einstellige Zuwächse zurück.

“Ausgelöst durch die Trump”schen Zollkriege geht der chinesische Automarkt in eine Abkühlungsphase und wird erst im Jahr 2021 das Verkaufsniveau von 2017 wieder übertreffen”, prophezeit Dudenhöffer. Kommt es wie prognostiziert, ist das ein harter Einschnitt für die deutschen Fahrzeughersteller.

Das immense Wachstum von Volkswagen, Daimler und BMW in den vergangenen Jahren beruhte vorwiegend auf den guten Geschäften in China. Die Deutschen sind mittlerweile enorm abhängig von den Entwicklungen in Fernost. Das könnte sich nun rächen. China droht vom Gewinnbringer zum Klumpenrisiko für die heimischen Hersteller zu werden.

Besonders anfällig ist Volkswagen. Der Wolfsburger Autokonzern verkauft mehr als 40 Prozent seiner Pkws in China. Aktuell sei der Markt eine “Herausforderung”, sagte Chinavorstand Jochem Heizmann vor ein paar Tagen auf der Automesse in Guangzhou. “Seit Juni fällt jeder Monat schlechter aus”, ergänzte er.

Im Oktober waren es für die Wolfsburger 8,3 Prozent weniger. VW werde seine am Jahresanfang gesteckten Ziele nicht mehr erreichen, räumte Heizmann ein.

Grund für die Zurückhaltung der chinesischen Käufer ist zum einen die Sorge wegen des Handelsstreits zwischen China und den USA, der vor allem amerikanische Marken wie Ford oder GM schwer getroffen hat. Sie mussten für die ersten zehn Monate einen fast 14-prozentigen Rückgang der Auslieferungen hinnehmen.

Die japanischen Autohersteller wiederum legten im gleichen Zeitraum um fünf Prozent zu, und allein im Oktober waren es 9,4 Prozent mehr als zum Vorjahr.

Umbau ist alternativlos

Hauptsächlich macht dem Massenmarkt die schwächelnde Konjunktur zu schaffen. “Diesem Gesamttrend kann sich eine Marke wie VW nicht entziehen”, erklärte Cui Dongshu, Generalsekretär der Vereinigung chinesischer Personenwagenhersteller.

Er wies darauf hin, dass vor allem die Nachfrage in den kleineren Provinz- und Kreisstädten gefallen sei. Sie seien in den vergangenen Jahren für das rapide Wachstum des Marktes verantwortlich gewesen.

Probleme in ihrem wichtigsten Absatzmarkt können VW, Daimler und BMW in der aktuellen Situation überhaupt nicht gebrauchen. Schließlich müssen sie Milliardenbeträge aufbringen, um den Wandel weg vom Verbrenner hin zu Elektromobilität meistern zu können.

Der Umbau ist alternativlos – gerade in China. Die Staatsregierung verlangt von den Herstellern, dass sie im kommenden Jahr verpflichtende Quoten für Elektroautos erfüllen. Demnach sollten zunächst zehn Prozent der Fahrzeuge, die in den Verkauf gehen, elektrisch angetrieben werden. Andernfalls drohen Strafzahlungen.

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