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Kommentar

China und Russland kooperieren nicht auf Augenhöhe

Die Machthaber in Peking und Moskau demonstrieren Geschlossenheit gegen die USA. Doch ihr Binnenverhältnis ist spannungsgeladen.

Handelsblatt.com vom 11.09.2018 20:19:53 Uhr

Bier ohne Wodka – das ist wie rausgeworfenes Geld. Etwas derber als das deutsche Sprichwort “Außer Spesen nichts gewesen” klingt die Sache im Russischen. Wenn sich die Staatschefs Russlands und Chinas, Wladimir Putin und Xi Jinping, wie an diesem Dienstag in Wladiwostok am Pazifik treffen, schaut die Welt interessiert hin. Das war bei ihren Vorgängern nicht der Fall und belegt den Wandel in der Welt.

China ist auf dem Weg zur Weltmacht auf Augenhöhe der USA, wirtschaftlich ohnehin, politisch auch. Und Kremlherr Putin will sein Land auf die Weltbühne zurückführen, notfalls auch mit völkerrechtswidrigen Flächenbombardements wie aktuell in Nordsyrien.

Und gemeinsam haben Putin und Xi mit diversen Abkommen ihre enge Kooperation demonstriert. Es ist aber nicht mehr als business as usual. Die geschlossenen Abkommen sind Ankündigungen oder Routine. So macht ein chinesischer Großkredit an Russlands Infrastrukturförderbank, mit dem gemeinsame Projekte finanziert werden sollen, nicht einmal ein Fünftel der zehn Milliarden Euro aus, die das kleine Katar am Freitag an neuen Investition in Deutschland zugesagt hat.

Bedeutender ist da schon ein russisches Großmanöver im Fernen Osten mit 300.000 russischen Soldaten, 36.000 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, Kriegsschiffen und 1.000 Kampfjets, an dem auch gut 3.000 chinesische Soldaten teilnehmen. Moskau und Peking demonstrieren ebenso Geschlossen- wie Entschlossenheit, vor allem gegen die USA.

Washington spielt mit Japan und Südkorea eine dominante Rolle am Pazifik, da wollen Chinesen und Russen nicht nachstehen. Und Donald Trump schießt sich mit immer neuen Sanktionen und Strafzöllen auf China und Russland ein, da hilft Zusammenstehen. Aber: Ein Deal mit Washington ist für Putin und Xi jeweils überlebenswichtig – das Übergehen des jeweils anderen inbegriffen.

Und so darf ein Gipfel wie in Wladiwostok oder ein gemeinsames Manöver nicht überbewertet werden: Russland und China müssen als große Nachbarn zusammenarbeiten. Das ist ökonomisch und politisch vernünftig. Aber wie schon in früheren Zeiten belauern sich beide gleichzeitig gegenseitig und können sich keineswegs blind aufeinander verlassen.

Denn Russland, dessen Ferner Osten nur spärlich bevölkert ist, wird immer mehr zur Heimstatt von Chinesen, die in der russischen Bevölkerung aber sehr unbeliebt sind. China ist Russland wirtschaftlich haushoch überlegen und lässt es den Kreml – etwa bei Preisverhandlungen für russisches Erdgas – auch spüren.

Das Putin-Xi-Treffen brachte also mehr Sprüche als Taten. Oder um es in Anlehnung an das russische Sprichwort zu sagen: Es gab mehr Bier als Wodka.

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