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Bunt und wendig

Das erste preiswerte, hipster-schicke Elektroauto für zwei kommt aus China. Endlich ein Auto wie eine Swatch-Uhr, meint Frank Sieren.

Wenn Nicolas Hayek das noch erleben könnte. Leider ist der legendäre Erfinder des Smart schon seit acht Jahren tot. Nun wird sein Traum wahr. Ein E-Auto wie eine Swatch-Uhr wollte er bauen, billig, verlässlich und schick. Ein neuer Volkswagen. Als Hayek sich gegenüber Daimler nicht durchsetzen konnte, stieg er verbittert aus. Genau vor zwanzig Jahren sagte er: „Der benzinbetriebene Smart ist ein Produkt von Daimler-Benz und hat nichts mit den Plänen des Swatch-Teams gemein.“ Daran hat sich im Grunde nichts geändert.

Seit einigen Monaten jedoch ist das Auto aus Hayeks Träumen doch auf dem Markt. Chinesen haben es entwickelt. In Liuzhou, in der Provinz Guangxi. Liuzhou liegt tief im subtropischen Südwesten Chinas, knapp 350 km vor der vietnamesischen Grenze. Nicht der Nabel der Welt. Auch in China nicht. Der Zweisitzer heißt Baojun E100. Er war einer der Hidden Champions auf der Beijing Autoshow. Bunter und frecher kommt er daher als der Smart von Daimler. Man steckt eine Art von iPad ins Armaturenbrett und schon geht es los. Einen extrem engen Wendekreis hat er. Das ist wichtig in der Stadt. Das Cockpit ist funktional, aber nicht ärmlich und es macht Laune. Lustig, aber in China zuweilen sinnvoll ist die Beschriftung des Brems- und Gaspedals mit einem großen Plus und Minus. Die Reichweite beträgt gut 150 Kilometer. Die Batterie kann über Nacht an der Steckdose aufgeladen werden. Gut 100 km/h kann das Auto erreichen.

Das attraktivste jedoch ist der Preis: Mit unter 5000 Euro ist man inklusive staatlicher Subventionen dabei. Dafür bekommt man ein Automatikgetriebe, Antiblockiersystem, Servolenkung, Parksensoren und ein Fußgängerwarnsystem.
Der deutsche E-Smart hingegen kostet mit der gleichen Reichweite, aber nicht der gleichen Ausstattung 23.000 Euro. Selbst ohne chinesische Subventionen kostet der E100 nur die Hälfte.

Daimler hat noch ein weiteres Problem: Der Kunde muss über ein Jahr auf seinen Smart warten, weil Batterien knapp sind. Deshalb wurden im vergangenen Jahr nur 3000 Stück verkauft. Dagegen wurden allein im Dezember 5500 E100-Fahrzeuge verkauft. Dabei ist er erst seit August 2017 auf dem Markt. Besonders bitter für die Deutschen: Der Schanghaier Autohersteller SAIC, Partner von Volkswagen, hat das Fahrzeug zusammen mit dem US-Hersteller General Motors entwickelt.
Smart kann glücklich sein, dass SAIC und GM erst einmal kein Interesse daran haben, den E100 im Westen anzubieten.

Egal ob der Stadtflitzer sich durchsetzt, oder von einem anderen chinesischen Hersteller noch übertroffen wird: Der Baojun zeigt, wo die Reise hingeht. Und auch wer in Zukunft die Standards setzt: Die Chinesen. Hayek jedenfalls hätte große Freude daran.
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