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Dax aktuell

BMW-Aktien steigen um über sechs Prozent - Annährung zwischen USA und China treibt Kurse

Die Aussicht auf ein Ende des Handelsstreits beflügelt die Börsen. Nach der zuletzt mauen Kursentwicklung hoffen Anleger auf eine Trendwende - und eine Jahresendrally.

Handelsblatt.com vom 03.12.2018 14:06:42 Uhr

Die Annäherung zwischen den USA und China im Handelsstreit sorgt am Montag für Jubel an der Börse. Der Dax legte bis zum frühen Nachmittag um 2,4 Prozent auf 11.514 Punkte zu. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex noch 0,4 Prozent auf 11.257 Punkte verloren.

Der MDax als Index mittelgroßer Unternehmen gab Anfangsgewinne zum teil wieder ab und notierte knapp 1,7 Prozent höher bei 23 845 Punkten. Der Technologie-Index TecDax kletterte um 2,3 Prozent. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 legte um 1,8 Prozent zu.

Nach dem Treffen von US-Präsident Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels in Argentinien gaben die USA bekannt, dass die für Anfang Januar angedrohte nächste Runde von Strafzöllen erst einmal verschoben wird. Binnen 90 Tagen wollen die beiden ihre Streitigkeiten beilegen. Am Sonntagabend (Ortszeit) teilte Trump auf Twitter mit, die Volksrepublik habe eingewilligt, Zölle auf Autoimporte aus den USA zu senken und zu beseitigen. Gegenwärtig liegt der Zollsatz bei 40 Prozent.

Kommt es nun doch noch zur Jahresendrally? Der Waffenstillstand im Handelsstreit lässt erste Beobachter hoffen. Die Asien-Börsen haben bereits deutlich angezogen. Ähnliches dürfte für die im Tagesverlauf öffnenden US-Börsen gelten.

“Es ist für die Aktienmärkte das perfekte Geschenk, und die Chance auf eine Weihnachtsrally auch am deutschen Aktienmarkt hat sich über das Wochenende deutlich erhöht”, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Allerdings warnten die Experten auch davor, dass es sich bei der Vereinbarung um keine finale Lösung in dem seit Monaten schwelenden Streit um höhere Zölle handele. Anleger müssten sich schon bald wieder fragen, wie es nach der vereinbarten 90-tägigen Frist weitergehe, sagte Investmentanalyst Uwe Streich. “Kommt dann doch noch das dicke Ende, oder folgt ein Happy End?”

“Ein weitgehend handelsstreitfreier Winter könnte einen weiteren Gewinner haben: den Aktienmarkt, insbesondere in China, sowie die Sektoren Tech und Auto”, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Die G20-Gipfelteilnehmer bekannten sich außerdem zu einer Reform der Welthandelsorganisation WTO.

Die positive Entwicklung könnte zahlreiche Analysten widerlegen, für die das Jahr vor dem Wochenende bereits gelaufen schien. Am letzten Novembertag war der Dax 0,36 Prozent schwächer bei 11.257 Punkten aus dem Handel gegangen. Das ist seit Jahresbeginn ein Minus von über 13 Prozent. Nun gibt es neue Hoffnung für einen gewinnträchtigen Jahresausklang.

Die Analysten der US-Investmentbank Morgan Stanley haben nach dem G20-Gipfeltreffen die Daumen für Aktien aus China gehoben. Das Ergebnis der US-amerikanisch-chinesischen Gespräche sei besser als erwartet ausgefallen. Die Analysten erhöhten ihr Rating für chinesische Aktien von “Equal-weight” auf “Overweight”. Zudem stuften sie das Kursziel für den Index MSCI China, das Hongkonger Börsenbarometer Hang Seng und den chinesische Aktienindex CSI300 nach oben.

Die Ölpreise sind am Montag wegen des erneuerten Pakts zwischen den beiden wichtigen Förderstaaten Russland und Saudi-Arabien sowie einer gedrosselten Produktion in Kanada deutlich gestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 62,33 US-Dollar. Das sind 2,87 Dollar oder rund fünf Prozent mehr als zum Wochenausklang am Freitagabend.

Experten führten die Kursgewinne zum Wochenstart vor allem darauf zurück, dass Russland und Saudi-Arabien ihren Pakt zur stärkeren Kontrolle des Ölmarkts verlängert hatten. Damit dürfte der Weg für eine Senkung der Produktion der wichtigsten Ölförderstaaten der Welt frei sein, um das Überangebot zu reduzieren.

Schlagzeilen machte unterdessen auch die Nachricht, dass Katar zum Jahresbeginn 2019 aus dem Ölkartell Opec austreten wird. Das kündigte Energieminister Saad Sherida al-Kaabi am Montag an. Katar habe die Opec bereits über den Rückzug informiert, wie die staatliche Nachrichtenagentur QNA am Montag meldete. Der Rückzug spiegele den Wunsch Katars wider, sich auf die Steigerung der Gasproduktion zu konzentrieren, zitierte Qatar Petroleum den Minister. Das Land habe in den vergangenen Jahren unablässig an der Entwicklung einer Zukunftsstrategie gearbeitet, die auf Wachstum basiere.

Blick auf die Einzelwerte

BMW

, Daimler, VW:

Die vorläufige Einigung im Handelsstreit beflügelt fast alle Dax-Werte. Besonders positiv reagieren die Autoaktien. BMW-Papiere lagen am Mittag 6,1 Prozent im Plus und führten damit die Rangliste an. Daimler legten 5,9 Prozent zu, Volkswagen 4,2 Prozent.

BMW und Daimler wären die größten Gewinner einer möglichen Entscheidung im Handelsstreit, da sie in den USA hergestellte SUVs nach China exportieren. Sechs der zehn meistverkauften aus den USA importierten Fahrzeuge in China kommen von den beiden deutschen Premiumherstellern. Allein BMW rechnet für das zweite Halbjahr 2018 mit Belastungen in Höhe von 300 Millionen Euro durch die chinesischen Einfuhrzölle. Volkswagen verkauft dagegen keine in den USA produzierten Autos in China.

Continental

, Schaeffler, Rheinmetall:

Die Titel des Autozulieferers Continental legten aufgrund der positiven Nachrichten um 3,5 Prozent zu. Im MDax verbuchten die Anteilsscheine der Autozulieferer Schaeffler, Rheinmetall, Hella und Norma Kursaufschläge zwischen 5,5 und 6,7 Prozent.

Infineon

, Wirecard:

Beim Chiphersteller Infineon sorgten die Nachrichten aus Übersee ebenfalls für Kauflaune. Die Aktien legten 5,8 Prozent zu und sicherten sich damit neben den Autowerten Platz drei an der Dax-Spitze. Wirecard-Papiere kletterten um 4,5 Prozent.

Deutsche Bank:

Die Deutsche Bank schaffte mit einem Plus von 3,4 Prozent im Laufe des Vormittags den Sprung unter die besten zehn Dax-Titel.

Lufthansa:

Die Lufthansa-Aktien litten mit minus 1,4 Prozent unter den massiv gestiegenen Ölpreisen, die vom erneuerten Pakt zwischen den beiden wichtigen Förderstaaten Russland und Saudi-Arabien sowie einer gedrosselten Produktion in Kanada profitierten. Zuletzt hatten sich die Titel der Fluggesellschaft seit Ende Oktober um mehr als ein Viertel erholt und auf dem höchsten Stand seit über zwei Monaten notiert.

Vorgaben aus Übersee

Auch an den Börsen in Asien waren Anleger in Kauflaune. Der Waffenstillstand im Handelskonflikt zwischen den USA und China beflügelte die Anleger. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index notierte am Montagmittag Ortzeit 1,4 Prozent fester bei 22.666 Punkten und erreichte den höchsten Stand seit sieben Wochen. An den Aktienmärkten in China ging es um rund drei Prozent nach oben. Gefragt bei Investoren war auch die chinesische Währung Yuan.

Die Hoffnung auf eine Annäherung zwischen China und den USA im Zollstreit hatte den Börsen in den USA bereits am Freitag Auftrieb gegeben. Der Dow Jones der Standardwerte schloss 0,8 Prozent höher auf 25.538 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verbesserte sich um 0,8 Prozent auf 7330 Punkte. Für den am Montagnachmittag deutscher Zeit beginnenden Handel wird die Wall Street erneut höher erwartet.

Was die Charttechnik sagt

Technische Analysten hoffen auf eine Trendwende nach dem Kursabfall in den vergangenen Wochen. Um diese komplett zu vervollständigen, müsste der Dax auf über 11.690 Punkte steigen. “Ein Ausbruch über dieses Niveau dürfte einen Doppelboden auslösen, welcher eine Aufwärtswelle in Richtung der 12.104 Punkte-Marke nach sich ziehen könnte”, meinen die technischen Analysten der UBS.

Unterhalb dieses Levels besteht die Gefahr eines erneuten Tests und Falls unter das aktuelle Jahrestief im Bereich um 11.000 Punkte. Unterschreitet der Dax jedoch die Unterstützung bei 11.051, droht ein Abrutschen bis zur Haltelinie bei 10.815 und schließlich bis 10.403. Darunter gibt die Marke bei 10.100 Punkten Halt. Auf der Oberseite nahm der Dax am Montag endlich die Hürde von 11.400 Punkten, an der er in der Vorwoche dreimal gescheitert war.

Was heute sonst noch wichtig wird

Beim Treffen der 19 Euro-Finanzminister in Brüssel stehen vor allem Diskussionen und mögliche Entscheidungen zu Euro-Reformen sowie zu den Haushaltsbudgets der Staaten auf der Agenda. Im Fokus dürfte dabei Italien stehen: Das Land hatte zuletzt zwar Zugeständnisse im Streit um seinen Haushalt für das Jahr 2019 gemacht, die EU-Kommission ist damit aber nicht zufrieden und will ein EU-Strafverfahren einleiten.

In Berlin treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehrere Fachminister im Kanzleramt mit Vertretern von Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden. Im Mittelpunkt der Besprechung steht das “Sofortprogramm Saubere Luft”, das bei einem Spitzentreffen im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht wurde.

Einen Tag vor dem Gipfeltreffen der Vorstandsvorsitzenden von Daimler, VW und BMW sowie Vertretern der US-Regierung im Weißen Haus stehen die Absatzzahlen der US-Autoindustrie für November ins Haus. Die kriselnden US-Autobauer haben wegen des Handelsstreits der USA mit China und Europa Probleme und hoffen auf positive Impulse durch einen starken Absatz im Binnenmarkt.

Analystencheck

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Apple auf “Overweight” mit einem Kursziel von 266 US-Dollar belassen. Den jüngsten Kursrückgang beim iPhone-Hersteller sollten Investoren als Chance begreifen, schrieb Analyst Samik Chatterjee in einer am Freitag vorliegenden Studie

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck.

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