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Kolumne der Woche

Autoblues

Die Autoverkäufe in China erholen sich 2018 im Vergleich zum Vorjahr kaum. Der Markt strukturiert sich um. Natürlich werden in China weiter viele Autos verkauft. Nur welche?, fragt Frank Sieren.

Manche Marktbeobachter befürchten schon, die fetten Jahre im chinesischen Automarkt seien vorbei, nachdem die Autoverkäufe im Juni, Juli und August im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. Um über sieben Prozent allein im August. Und die Septemberzahlen, die diese Woche veröffentlicht werden sollen, werden den Dreimonats-Trend nicht umdrehen. Immerhin sind die Zahlen für das erste Halbjahr noch leicht besser, als die für den gleichen Zeitraum 2017. Dass dies das Ende des Autobooms in China bedeutet, kann jedoch nicht sein. Denn China hat erst eine Autodichte von rund 100 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner, während es in den USA 800 sind und in Europa 600. Insofern ist die Beschreibung von Cui Dongshu, Generalsekretär des Branchenverbandes China Passenger Car Association (CPCA), schon realistischer: Er spricht davon, „dass der Winter naht“. Und nach dem Winter kommt der Frühling. Doch auch das Bild stimmt nur bedingt. Besser noch wäre es zu sagen: Der chinesische Automarkt häutet sich.

Drei große Veränderungen vollziehen sich derzeit gleichzeitig: Die Regierung geht gegen Schattenbanken vor, die eine immer größere Rolle bei der Autofinanzierung gespielt hatten. Allein im Juni sind Autokredite dieser oft dubiosen Firmen um rund ein Drittel eingebrochen, hat die Website wdjz.com ausgerechnet. Gleichzeitig ziehen die Mieten an. 17 Prozent waren es im Juli in den 50 größten Städten im Schnitt mehr. Und der Handelsstreit zwischen China und den USA verunsichert die Konsumenten. Doch nicht nur finanzielle Erwägungen stehen dabei im Fokus. Weil der Markt sich grundlegend umstrukturiert, zögern die Kunden sich zu entscheiden: E-Autos spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Deren Verkäufe sind im ersten Halbjahr um über 110 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Der Marktanteil liegt nunmehr bei über fünf Prozent aller Neuwagenverkäufe. Doch viele Kunden warten noch wie sich der Markt entwickelt und welche Marken sich durchsetzen werden. Sie kennen sich in dem neuen Markt noch nicht gut genug aus, wollen aber auch kein Fahrzeug mit einem traditionellen Motor mehr kaufen.

Diese vorübergehende Unentschlossenheit ist auch ein Grund, warum der Marktanteil der chinesischen Hersteller leicht gefallen ist. Er liegt inzwischen bei 43 Prozent. Doch das wird sich ändern: Die Chinesen werden immer mehr chinesische Autos kaufen. Die amerikanischen Autohersteller spüren das bereits. Der Ruf ihrer Autos ist nicht so gut, wie zum Beispiel der der Deutschen. In den ersten acht Monaten ist der Marktanteil der US-Fahrzeuge dann auch von 12,2 Prozent auf 10,7 Prozent gefallen. Das mag auch politische Gründe haben, aber wichtiger ist, die Chinesen denken um: Bevor ich einen Ford kaufe, kann ich auch gleich eine chinesische Marke kaufen. Immerhin: die Europäer konnten ihren Marktanteil halten: “Noch”, muss man hinzufügen.
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