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Handelsstreit

Annäherung zwischen USA und China weckt Hoffnung bei deutschen Autobauern

Entspannungssignale im Handelsstreit der Großmächte beruhigen die Märkte. Deutsche Autokonzerne können profitieren, doch viele Fragen sind offen.

Handelsblatt.com vom 03.12.2018 19:34:11 Uhr

Es ist das übliche Muster: Donald Trump schreibt einen kleinen Tweet – mit großen Wirkungen an den Finanzmärkten. Die Volksrepublik habe eingewilligt, “Zölle auf Autoimporte aus den USA zu senken und zu beseitigen”, schrieb der US-Präsident am Sonntagabend (Ortszeit).

Obwohl die chinesische Seite die Ankündigung aus Washington nicht bestätigen wollte, löste das an den Märkten eine Welle der Euphorie aus. Der Dax stieg am Montag um mehr als zwei Prozent. Die Aktien der Autohersteller Daimler und BMW legten gleich um bis zu sieben Prozent zu.

“Die Beziehungen zu China haben einen großen Sprung nach vorn gemacht! Es werden sehr gute Dinge passieren”, prahlte Trump. Was genau sich hinter dieser Aussage verbirgt, ist jedoch noch ziemlich unklar. Offen ist beispielsweise, ob die chinesischen Zölle auf US-Autos vollständig gestrichen oder nur auf ein früheres Niveau gesenkt werden sollen. Unklar ist auch, um welchen Zeitrahmen es geht.

Auch die chinesische Seite scheint irritiert angesichts der vorschnellen Ankündigung Trumps. Gefragt nach den Zollsenkungen, wich der chinesische Außenamtssprecher Geng Shuang am Montag einer direkten Antwort aus. Bei ihren Gesprächen am Rande des G20-Gipfels hätten beide Seiten am Wochenende einen “Konsens über wirtschaftliche Probleme erreicht”, sagte der Sprecher.

Auch habe man sich darauf geeinigt, keine neuen Strafzölle zu verhängen. Es werde nun an einem “konkreten Abkommen” gearbeitet, um den Handelskonflikt beizulegen. “Was die spezielle Frage angeht, schlage ich vor, dass Sie die zuständige Behörde fragen”, sagte der Sprecher. Das für Importzölle zuständige Handelsministerium hüllte sich in Schweigen.

Die US-Strafzölle sind Teil einer breit angelegten Anti-China-Strategie der amerikanischen Regierung. Washington wirft Peking vor, massiv Urheberrechte zu verletzen und sich durch staatliche Subventionierung illegal Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Für Trump ist der Konflikt mit China zu einer Frage der “nationalen Sicherheit” geworden. Im Sommer zog die US-Regierung massive Barrieren hoch und verhängte Importzölle auf chinesische Waren im Wert von 250 Milliarden US-Dollar. China rächte sich mit Einfuhrabgaben auf Waren im Wert von 110 Milliarden US-Dollar.

Sollten die Handelsgespräche scheitern, droht Trump mit einer weiteren Runde in Höhe von 267 Milliarden US-Dollar, was faktisch alle China-Exporte in die USA betreffen würde. Selbst populäre Konsumwaren wie iPhones, die in China gefertigt werden, würden dann belastet. Nun hat Trump auf dem G20-Gipfel die für Januar angedrohte Erhöhung der Strafzölle bis Ende März aufgeschoben. Was danach passiert, weiß niemand – wahrscheinlich nicht einmal Trump selbst.

Doch allein die Andeutung einer Entschärfung im chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt reicht aus, um eine Kursrally bei Autoaktion auszulösen – vor allem bei den deutschen Konzernen.

Fakt ist: Für die hiesige Autoindustrie steht viel auf dem Spiel. Denn BMW und Mercedes unterhalten im Süden der USA große Werke und fertigen dort vornehmlich besonders lukrative Geländewagen. Rund ein Viertel der dort gebauten Autos wird nach China exportiert, BMW schaffte im vergangenen Jahr 92.000, Daimler kam auf 72.000 Autos.

BMW mit Standbein in China

Doch mit der Eskalation des Handelskonflikts gerieten auch die Deutschen zwischen die Fronten, denn mit einem Schlag verteuerten sich die Exporte. Allein BMW beziffert die Belastungen in diesem Jahr auf fast 300 Millionen, auch Daimler muss einen dreistelligen Millionenbetrag verkraften. Beide Unternehmen haben ihre Gewinnprognosen für das Jahr 2018 entsprechend gesenkt.

BMW wollte die aktuelle Entwicklung am Montag nicht kommentieren. Intern laufen aber Planungen, zusätzliche Modelle in China zu fertigen, um künftige Zollschranken zu umgehen. So könnte neben dem X1 und dem X3 bald auch der größere X5 in China gebaut werden, der bislang nur in South Carolina gefertigt wird.

China lockt die Münchener mit einer Aufweichung der Joint-Venture-Bestimmungen. So darf BMW als erster westlicher Autohersteller ab 2022 die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Hersteller Brilliance übernehmen.

Experten sind vorsichtig. “Selbst wenn die Zölle zwischen China und den USA tatsächlich wieder reduziert würden, dauert es mindestens ein halbes Jahr, bis etwaige positive Effekte in der Realwirtschaft ankommen. Das erste Halbjahr 2019 bleibt also für alle Autohersteller schwierig, im zweiten Halbjahr 2019 könnte sich die Lage aber aufhellen”, erklärt Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR).

Frank Schwope, Analyst der NordLB, rechnet mit einer deutlichen Absatzsteigerung, sollte China die Einfuhrtarife absenken. Das Handelsvolumen von BMW und Daimler von den USA ins Reich der Mitte könnte sich binnen einiger Monate wieder auf das ursprünglich hohe Niveau einpendeln, erklärt er. “Aber die Konzerne hängen weiter von den Launen des US-Präsidenten ab”, sagt der Autoexperte. “Es kann sich alles ganz schnell wieder in die andere Richtung entwickeln.”

Schwope erwartet daher, dass die Geschäftsprognosen der Fahrzeughersteller für 2019 “sehr vorsichtig” ausfallen werden. Anleger könnten schon froh sein, wenn der eine oder andere Konzern überhaupt steigende Gewinne in Aussicht stellt.

Großer Deal nicht in Sicht

Die weitere Entwicklung wird vor allem davon abhängen, wie es im Handelsstreit weitergeht. Ursprünglich galten in China auf eingeführte Autos Zölle von 25 Prozent. Zum 1. Juli senkte China diese für andere Länder auf 15 Prozent. Für Autos aus US-Produktion erhöhte Peking die Importabgaben im Handelsstreit dagegen auf 40 Prozent. Das wirkte sich auf die Verkaufszahlen der amerikanischen Marken in China deutlich negativ aus.

Dieses Jahr verkauften Ford und General Motors in den ersten zehn Monaten zusammen nur rund zwei Millionen Autos – fast 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Für Oktober sehen die Zahlen noch düsterer aus: Mit 220 000 verkauften Neuwagen waren es fast 27 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2017.

Insgesamt zeigte sich der so wichtige chinesische Automarkt zuletzt schwach. Während Premiummarken wie BMW, Audi und Daimler noch immer Zuwächse im Verkauf erzielen, fällt die Nachfrage im Massenmarkt. Grund dafür sei zum einen die Verunsicherung durch den Handelskrieg, hauptsächlich aber das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum in China, so Cui Dongshu, der Generalsekretär der Vereinigung chinesischer Personenwagenhersteller.

Er weist darauf hin, dass vor allem in den kleineren Provinz- und Kreisstädten die Konsumfreude nachlasse. Diese Regionen allerdings haben in den vergangenen Jahren einen großen Beitrag zum Autoboom geleistet. “In den Großstädten läuft das Geschäft relativ normal, weil die Stadtregierungen die Immobilienpreise kontrollieren”, sagt er.

Noch wichtiger als die Entwicklung des chinesischen Marktes selbst ist die Frage, ob es “den großen Deal”, den Trump anstrebt, geben wird. Die Grundlage für ein solch umfangreiches Abkommen wurde auf dem G20-Gipfel nur vage umrissen. China habe sich verpflichtet, “eine noch nicht vereinbarte, aber sehr beträchtliche” Menge an US-Produkten zu kaufen, hatte Trump in Argentinien gesagt: Dazu gehören nicht nur Industriegüter und Technik im Allgemeinen, sondern vor allem auch Agrargüter.

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