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600.000 Server

In der armen Provinz Guizhou lagert nun auch Apple die Daten seiner chinesischen Nutzer in Höhlen. Peking darf mitlesen, meint Frank Sieren.

Die vielen Daten aus der Cloud sind für Guizhou das Beste, was der Provinz passieren konnte. Die Region, tief im Südwesten Chinas gehört noch immer zu den ärmsten des Landes. Acht Prozent der Bevölkerung leben dort noch unter der Weltbank-Armutsgrenze. 3,2 Millionen Menschen. Vor fünf Jahren waren es noch 28 Prozent.

Doch dann machte Peking Guizhou zu einem Weltzentrum der Datenspeicherung. Auch für Apple. Seitdem geht es für die Provinz steil bergauf. Die Faktoren, die Guizhou so lange rückständig erscheinen ließen, sind nun Vorteile: Karge Berge, Trockenheit, moderate Temperaturen.

Die künstlichen Höhlen in den Bergen sind der ideale Platz um Daten kühl, trocken und sicher zu lagern, ohne dabei zu viel Energie zu verbrauchen. Sie wurden mit modernsten militärischen Sicherungssystemen ausgestattet und überstehen selbst größere Bombenangriffe.

Tencent, das wertvollste börsennotierte Unternehmen Asiens, hat sich ebenfalls dort eingenistet. Zu Tencent gehört Wechat, das chinesische WhatApp, mit über einer Milliarden aktiven Nutzern. Allein das Tunnelsystem für Tencents Server umfasst 30.000 Quadratmeter. Der Telekomausrüster und Smartphone-Hersteller Huawei hat dort 600.000 Server stehen, um Daten aus 170 Ländern zu lagern.

Apple investiert 1,1 Milliarden US-Dollar in Guizhou, um dort auf einem 90.000-Quadratmeter-Gelände die Daten seiner chinesischen Nutzer zu lagern. Das geht nicht anders. Der amerikanische Tech-Gigant darf seine in China gewonnenen Daten nicht außer Landes bringen. Zudem müssen alle Cloud-Services von einem chinesischen Unternehmen gemanagt werden. Das ist Gesetz. Für Apple macht das nun die Guizhou-Cloud Big Data Industry Co. Ltd. (GCBD), ein Datenzentren-Entwickler und Betreiber. Praktischerweise gehört das Unternehmen der Provinzregierung. Dass der Staat jederzeit mitlesen darf, mussten Apple-Kunden bereits vergangenen Februar unterschreiben. Die Formulierung ist glasklar: „GCBD hat das Recht auf Ihre Daten zuzugreifen, die auf den Servern gelagert werden.“

Wenn Apple das nicht passt, können sie den Markt verlassen. Doch wer verlässt schon seinen zweitgrößten Markt nach den USA, der allein im ersten Quartal dieses Jahres um über zwanzig Prozent gewachsen ist?

Apple beugt sich, wenn auch zähneknirschend. Peking hat eben die Macht, die Spielregeln durchzusetzen, weil der chinesische Markt auch für die IT-Wirtschaft so wichtig ist. Eine Macht – machen wir uns nichts vor – die eher größer wird.

Gut für Apple, dass es den Kunden in China gleichgültiger als westlichen Usern ist, was mit ihren Daten passiert. Und immerhin trägt Apple nun dazu bei, den Ärmsten in China zu helfen: Als Datenhub wuchs die Provinz Guizhou im vergangenen Jahr um über zehn Prozent. Für Datenschützer ein schwacher Trost.
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